Ursache und Wirkung

Keine Frage, die Beschäftigung in privaten Haushalten gewinnt zunehmend an Bedeutung, seit die Einverdiener-Familie aus der Mode kommt. Haben beide Partner einen Vollzeitjob, dann ist ein guter Geist für das Putzen, den Einkauf oder die Kinderbetreuung in vielen Fällen unentbehrlich. Auch die Bundesregierung weiß um diese Entwicklung. Deshalb sucht sie die Bürger auf den Pfad der Steuer- und Abgabenehrlichkeit zu bringen. Wer eine Haushaltshilfe schwarz beschäftigt, muss künftig mit harten Strafen rechnen. Das geht zunächst einmal in Ordnung. Denn wer keine Steuern und Sozialbeiträge bezahlt, schadet am Ende der gesamten Gesellschaft und damit auch sich selbst. Steuerhinterziehung ist zudem alles andere als ein Kavaliersdelikt. Ob sich mit dem rot-grünen Vorhaben wirklich etwas zum Besseren wendet, muss allerdings bezweifelt werden. Das Vertrauen in Vater Staat ist gerade in fiskalischen Fragen arg ramponiert. So lange die meisten Bürger den begründeten Verdacht haben, dass die kleinen Steuerzahler die Dummen sind, während sich Schwerverdiener durch allerlei legale Tricks arm rechnen können oder ungeschoren ihren Wohnsitz im Ausland nehmen, wird die Schwarzarbeit ein zweifelhafter Volkssport bleiben. Längst gehört es zum guten Ton, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. Die Aussicht auf empfindliche Sanktionen nützt da wenig, zumal der Kontrollaufwand gerade für Privathaushalte den Nutzeffekt überschreiten dürfte. Sollen die moralischen Appelle der Regierung fruchten, wäre in der Tat eine umfassende Steuerreform notwendig. Ein Gesetz zur Strafverschärfung setzt nur an den Wirkungen an, nicht an der Ursachen. nachrichten.red@volksfreund.de

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