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US-Justizminister Sessions in Erklärungsnot

US-Justizminister Sessions in Erklärungsnot

Kaum hat Donald Trump mit guten Stilnoten bei einer Rede vor dem Kongress punkten können, gerät eine der Schlüsselfiguren seines Kabinetts unter Druck.

Washington US-Justizminister Jeff Sessions ist in Erklärungsnot, weil er bei einer Anhörung im Senat verschwieg, dass er sich in der heißen Phase des Wahlkampfes mit dem russischen Botschafter in Washington getroffen hat. Sessions, 70 Jahre alt, ein konservativer Südstaatler aus Alabama, gehörte einst zu den ersten Republikanern von Rang, die ins Lager Donald Trumps überliefen. Im Beraterstab des Milliardärs hat er frühzeitig eine wichtige Rolle gespielt.
Dies wiederum nährt den Verdacht, er könnte sich mit Sergej Kisljak, dem ranghöchsten Diplomaten Russlands in Washington, in einem kritischen Moment über Wahlkampfinterna ausgetauscht haben. Nach einem Bericht der Washington Post sprach er zweimal mit Kisljak, erst im Juli am Rande des republikanischen Wahlparteitags in Cleveland, dann im September in seinem Senatsbüro im Kapitol. Vor zwei Monaten, als der US-Senat über Sessions‘ Beförderung an die Spitze des Justizressorts zu befinden hatte, hatte er dies noch unterschlagen. Von seinem demokratischen Kollegen Al Franken nach Kontakten zwischen Emissären des Trump-Teams und der russischen Regierung gefragt, antwortete Sessions, dass er sich "solcher Aktivitäten" nicht bewusst sei: "Ich hatte keine Kommunikation mit den Russen." Nun, da neue Fakten auf dem Tisch liegen, spricht Franken von einer dunklen Wolke, die über der Administration hänge. Es gebe so viele offene Fragen, dass man eine unparteiische Untersuchung brauche, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Die Crux ist, dass die "Russia Connection" bereits unter die Lupe genommen wird, nur eben in der Regie des Justizministers. Sessions, fordert nun die Opposition, müsse die Fäden der Untersuchung aus der Hand geben, da nicht zu erwarten sei, dass er sie gründlich betreibe. An seiner Stelle solle ein Sonderermittler klären, ob es so etwas wie einen Pakt zwischen der Trump-Kampagne und dem Kreml gab. Nancy Pelosi, die Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, verlangt sogar den Rücktritt des 70-Jährigen: Wer unter Eid lüge, müsse die Konsequenzen ziehen.