US-Vorwahlen: Warum Trump und Clinton trotz Pleiten entspannt bleiben dürfen

US-Vorwahlen: Warum Trump und Clinton trotz Pleiten entspannt bleiben dürfen

Der US-Bundesstaat Wisconsin sendet ein Zeichen, dass die Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidaten noch nicht entschieden sind. Die Sieger heißen nicht Trump, nicht Clinton - und trotzdem dürfen beide (noch) gelassen sein.

Die Wende im Wahlkampf? Ted Cruz und Bernie Sanders sehen es so. Sowohl der erzkonservative Senator aus Texas als auch sein progressiver Kollege aus Vermont interpretieren ihre Vorwahlerfolge in Wisconsin als Schlüsselmomente einer dramatischen Aufholjagd. Nur muss schon ein kleines Wunder geschehen, wollen sie Donald Trump beziehungsweise Hillary Clinton noch von der Spitze verdrängen.

Als Cruz seinen Sieg feierte, sprach er euphorisch von einem "Signal zum Sammeln", dem seine Partei gewiss folgen werde. Er sei mehr und mehr davon überzeugt, auf dem Wahlkonvent der Republikaner die Kandidatur fürs Weiße Haus zu gewinnen. Tatsächlich holte Cruz in Wisconsin 48 Prozent der Stimmen, womit er Trump (35 Prozent) und John Kasich (14 Prozent) auf die Plätze verwies.

An Trump perlt nicht mehr alles ab

Tatsächlich sieht es so aus, als habe es Risse bekommen, das Bild vom Teflon-Trump, an dem scheinbar alles abperlt, auch dann, wenn er seine Gegner aufs Übelste beschimpft und dennoch bei keiner Kontroverse den Kürzeren zieht. In den jüngsten Debatten hat der Populist offenbar Schaden genommen, ein erstes Mal, als er für Strafen im Falle von Abtreibungen plädierte, ein zweites Mal, als er Japan und Südkorea die Entwicklung eigener Kernwaffen nahelegte, statt sich auf den atomaren Schirm der USA zu verlassen.

Dass Trumps Höhenflug unterbrochen ist, macht allein schon die Optik der Wahlnacht deutlich. Normalerweise hält der Magnat in Wahlnächten Pressekonferenzen ab, zumeist in seinem exklusiven Club Mar-a-Lago, wo er sich vor einer Galerie von Sternenbannern inszeniert, als residiere er bereits im Oval Office. Diesmal begnügte er sich damit, sein Team ein gallebitteres Statement herausgeben zu lassen. "Ted Cruz ist schlimmer als eine Marionette. Er ist ein Trojanisches Pferd, das von den Parteibossen benutzt wird, um Herrn Trump die Nominierung zu stehlen."

Warum Cruz trotzdem nur Außenseiter ist

Allerdings: Wisconsin war von vornherein schwieriges Terrain für den Milliardär aus Manhattan. Zum einen stellte sich mit Scott Walker, dem Gouverneur, ein einflussreicher Lokalmatador an die Spitze der Anti-Trump-Bewegung. Zum anderen machten konservative Radiotalker im "Badger State" geschlossen Front gegen ihn. Ob sich auf den nächsten wichtigen Stationen - in New York und Pennsylvania - fortsetzt, was Cruz einen Aufstand der Alarmierten nennt, darf man bezweifeln.

Zum einen dürfte es Trumps texanischer Gegenspieler, dessen Hausmacht vornehmlich aus evangelikalen Christen besteht, an der Ostküste schwerer haben als im Mittleren Westen mit seiner christlich-konservativ geprägten Basis. Zum anderen ist es mathematisch so gut wie unmöglich, dass Cruz die magische Marke erreicht, jene 1237 Delegiertenstimmen, die auf dem Wahlparteitag im Juli die absolute Mehrheit bedeuten. In Wahrheit hofft die Jeder-nur-nicht-Trump-Fraktion auf ein Szenario, bei dem der Geschäftsmann selber die absolute Mehrheit verfehlt, auch wenn er das Rennen als Erster beendet. In dem Fall könnten ihn die raffinierten, umstrittenen Manöver einer "Contested Convention" womöglich noch stoppen.

Clinton zittert vor dem Heimspiel

Im Lager der Demokraten hat Bernie Sanders alle, die ihn bereits abschreiben wollten, eines Besseren belehrt. Nicht nur, dass er das Duell gegen Hillary Clinton mit einer 57-Prozent-Mehrheit klar für sich entschied. Von den letzten acht Vorwahlen hat der Veteran sieben gewonnen, und seine Kasse ist so prall gefüllt, dass er keinen Gedanken ans Aufgeben verschwendet muss. Obwohl er sich vor allem auf Kleinspender stützt, hat Sanders im März mehr Geld eingenommen als die frühere Außenministerin, deren Nähe zu "Big Money" er regelmäßig zum Thema macht. In seiner Heimatstadt New York, wo am 19. April gewählt wird, hofft er jenen Paukenschlag zu landen, der die Favoritin noch zittern lassen soll.

Dass er Clintons Vorsprung noch wettmachen kann, glauben allerdings nur die kühnsten Optimisten im Sanders-Lager. Bei den Demokraten werden Vorwahlen ausnahmslos nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit entschieden, im Unterschied zu den Republikanern gibt es keine einzige, die den Sieger alles abräumen lassen, während der Zweitplatzierte leer ausgeht. Clinton also wird weiter Stimmen sammeln, selbst wenn sich die Niederlagen häufen sollten.

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