Verbale Entspannung

Angesichts eines für die meisten Deutschen völkerrechtswidrigen Krieges entdecken Regierung und Opposition manche Übereinstimmung. Das ist mehr, als wir nach den harschen Schuldzuweisungen der vergangenen Tage erwarten durften.

Denn die Union steckt nach wie vor in der Defensive. Der allzu US-freundliche Kurs Angela Merkels wird weithin mit Unverständnis quittiert. Also musste ein Gegenmittel her. So kamen die Parteistrategen auf die törichte Idee, die Bundesregierung zu Anhängern eines Sieges von Saddam Hussein abzustempeln. Das ist zwar völlig absurd, aber der Kanzler sah sich bei seiner Regierungserklärung immerhin veranlasst, für die "Überwindung der Diktatur" im Irak einzutreten. Eine Bemerkung, die auch als schüchterner Versuch einer Wiederannäherung an Washington gelten darf. Umgekehrt sah Angela Merkel davon ab, neues Öl ins Feuer zu gießen. Dabei hätte ihr ein schnörkelloses Bekenntnis zu Amerika garantiert noch mehr Beifall aus der Union eingebracht. Schließlich gilt dort seit Wochenbeginn die Kampflosung "Wir stehen fest zur Vorsitzenden" Doch aus taktischen Gründen hatte Merkel eher das Wahlvolk im Sinn als die eigenen Reihen. Schließlich bröckelt die Zustimmung "draußen im Lande". Merkels Position dürfte freilich stark vom weiteren Kriegsverlauf abhängen. Fällt die irakische Hauptstadt den US-Truppen schnell und ohne größeres Blutvergießen in die Hände, wird die Kritik an der CDU-Vorsitzenden ebenso rasch verstummen. Entwickelt sich der Krieg um Bagdad dagegen zum Albtraum, wackelt auch Merkels Machtstellung. Eine solche Sorge ist Gerhard Schröder fremd. Mit seiner frühzeitigen Festlegung gegen einen Krieg hat der Kanzler schon jetzt gewonnen - in der SPD und bei der Bevölkerung. nachrichten.red@volksfreund.de