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Verdächtiger Trierer bricht sein Schweigen

Verdächtiger Trierer bricht sein Schweigen

Zwei Stunden hat gestern der Angeklagte im Prozess um die Tötung einer 23-Jährigen im vergangenen Jahr in Breit (Bernkastel-Wittlich) geredet. Zu der Tat selbst sagte er aber nichts bei der Verhandlung vor dem Trierer Landgericht.

Trier. Er redet lange. Über zwei Stunden. Fast ununterbrochen. Ob er aber ein Mörder ist, ob er im Dezember vergangenen Jahres seine Freundin, eine 23-jährige dreifache Mutter getötet hat, dazu sagt der 28-Jährige nichts. Zunächst redet der Trierer über seinen Lebenslauf. Sehr detailliert. Er erinnert sich an fast alle Daten, nennt exakte Wochentage. Dass sich seine Eltern getrennt haben, als er neun Jahre alt war, dass sein Vater ihn auch geschlagen habe, er später zu seiner Mutter gezogen sei. Dass er den Hauptschulabschluss habe, und dass er eine Lehre als Automechaniker abgebrochen habe, weil ihm nichts beigebracht worden sei.
Er habe dann Berufskraftfahrer gelernt, wie sein Vater und sein Opa, erzählt er stolz. Er hat schnell einen Job gefunden, arbeitet nacheinander in verschiedenen Firmen als LKW-Fahrer. Ein bis dahin anscheinend unauffälliges Leben eines jungen Mannes. Ein Freund bezeichnet ihn vor Gericht auch als "eher zurückhaltend", er könne nichts Schlechtes über ihn sagen.
2007 lernt er eine 17-Jährige übers Internet kennen. Es wird die erste richtige Beziehung für den damals 23-Jährigen. Die beiden ziehen zusammen. Dass es, wie von der jungen Frau im zweiten Prozesstag geschildert, zu Gewalt gegen sie gekommen ist, dass er ihr sogar das Nasenbein gebrochen haben soll - darüber spricht er nicht. Er habe sie mal "geschubst", sagt er nebenbei und spricht immer wieder von "halt so einem Kram". Sie sei nicht "ganz unschuldig" gewesen. Aber mit einem Messer habe er sie, anders wie sie gesagt hat, nie bedroht.
Auch erwähnt er, dass es zu einem "Ereignis" mit einem Freund der Frau gekommen ist, nachdem sich die beiden getrennt hätten und dass er danach ein Anti-Gewalt-Training gemacht habe. Mit dem Anti-Gewalt-Training habe er verhindern wollen, dass in "Zukunft etwas passiert", sagt der 28-Jährige ruhig. Dass er den Mann geschlagen hat, wie die Frau ausgesagt hat, sagt er nicht. Er bagatellisiere seine vorhandenen Aggressionen und verleugne sie, bescheinigt ihm der Psychiater Michael Schormann dann in seinem anschließenden Gutachten.
Bericht vom ersten Treffen


Nach einer Stunde kommt er dann, auch auf Anraten seiner Verteidigerin Sylvia Karrenbauer, auf die Beziehung zu dem späteren Opfer zu sprechen. Auch die damals 21-Jährige hat er 2010 übers Internet kennengelernt, die sich dort "heißes Luder 21" genannt haben soll. Er hätte zunächst keine Absicht gehabt, sie näher kennenzulernen, sie sei ja verheiratet gewesen. Das erste Treffen sei dann von ihr ausgegangen, ihr Ehemann habe sie später mehr oder weniger in flagranti erwischt. Doch die Beziehung sei immer "hin und her gegangen", sie habe sie sich zunächst nie richtig für ihn entschieden, sei immer wieder zu ihrem Mann zurück. Als sie nach einem Jahr gesagt habe, sie sei schwanger, habe er gedacht, er sei der Vater. Ein Vaterschaftstest ist jedoch negativ, der Ehemann ist der Vater. Er sei sehr enttäuscht gewesen.
Er berichtet von "Dauerstress" mit der Mutter der Freundin, auch der Ehemann habe sie unter Druck gesetzt. Im Oktober 2012 seien er und die 23-Jährige dann nach Breit gezogen. Trotzdem habe sie sich nicht zwischen ihm und ihrem Mann, von dem sie sich eigentlich scheiden lassen wollte, entscheiden können. Einen Tag, bevor die Frau getötet worden ist, hätten sie sich geeinigt, sich zu trennen, sagt der Angeklagte. Im neuen Jahr habe er sich eine neue, eigene Wohnung suchen wollen. Als die Frau dann am 13. Dezember mit den Kindern ausgezogen sei, sei er darüber nicht enttäuscht gewesen.
An dem Abend wird die Frau im Kinderzimmer in Breit erstochen, als sie Sachen für die Kinder abholen will. Darüber sagt der Angeklagte dann aber nichts mehr.
Er sei es nicht gewesen, soll er dem psychiatrischen Gutachter vor dem Prozess gesagt haben.
Der Gutachter sieht in ihm keinen Psychopathen, auch liege keine Persönlichkeitsstörung vor, auch wenn er eine "auffällige" Persönlichkeit habe.
Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Möglicherweise werden dann die Plädoyers gehalten.