Verhoyzt und verhartzt

Fußballer und Fans sind kreativ, wenn es darum geht, komplexe Sachverhalte unkompliziert auf den Punkt zu bringen und ihre Kritik blumig zu äußern. War es früher "Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht" heißt es heute "Schiri, wir wissen, dass du Oddset spielst".

"Schiri, du Blinder" ist ebenfalls ein Klassiker, der bei den Männern in Schwarz nur noch zu einem müden Grinsen führt. Aber jetzt hört der Spaß auf: Wer einen Schiedsrichter als Hoyzer bezeichnet, hat die Schwelle der seelischen Grausamkeit und der persönlichen Beleidigung eindeutig überschritten. Deswegen gibt es künftig dafür die rote Karte. Da ist der Deutsche-Fußballbund knallhart. Das Synonym für Manipulation, für Wettmafia und Schiebungen hat auf den deutschen Fußballplätzen nichts verloren. Es darf keine Hoyzerisierung geben. Doch die Dienstanweisung des Ober-Schiris Eugen Strigel lässt viele Fragen offen. Droht auch dann der Platzverweis, wenn ein Spieler mit einem Wettschein winkt? Muss der Kicker vorzeitig duschen, wenn er den Referee als "Oddset-Spieler" tituliert? Oder wenn der Spieler den Schiedsrichter als "King" bezeichnet, dabei aber nicht dessen königliches Pfeifverhalten, sondern vielmehr ein Berliner Café meint? Oder, noch viel schlimmer, wenn er den Pfeifenden als "Mayer-Vorfelder" verhöhnt und ihn somit unumwunden des trüben Blicks und der fehlenden Führungsqualität bezichtigt? Aber die DFB-Anweisung könnte auch zu radikalen Änderungen auf anderen Gebieten führen: Urlauber, die am Flughafen bei der Einreise nach Deutschland zu lange in der Schlange stehen und den Grenzschutzbeamten mit "Sie Fischer" beleidigen, werden sofort in die Ukraine ausgewiesen. Arbeitslose, die sich bei ihrem zuständigen Beamten über weitere Kürzungen mit "Sie Hartz" beschweren, erhalten gar nix mehr. Alles völlig verhoyzt und verhartzt in Deutschland! b.pazen@volksfreund.de