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Vermisste Tanja: Kein Licht im Dunkeln

Vermisste Tanja: Kein Licht im Dunkeln

Vor zwei Jahren verschwand die Studentin Tanja Gräff auf dem Sommerfest der Trierer Fachhochschule unter mysteriösen Umständen. Immer noch gehen bei der Polizei Hinweise ein. Und immer noch tappen die Ermittler in dem einst bundesweit Schlagzeilen machenden Vermisstenfall völlig im Dunkeln.

Trier. So langsam könnte sich Bernd Michels ein Maßband zulegen. Fünf Monate noch, dann geht der Erste Kriminalhauptkommissar in den Ruhestand - nach dann allein 26 Jahren an der Spitze der Trierer Mordkommission. Hätte Michels in den verbleibenden Wochen noch einen Wunsch frei, müsste der 62-jährige Polizist wohl nicht lange überlegen: "Endlich den Fall Tanja Gräff lösen."

Am Sonntag auf den Tag genau vor zwei Jahren verschwand die 21-jährige Studentin aus Korlingen (Kreis Trier-Saarburg) unter bislang nicht geklärten Umständen. Trotz eines regional beispiellosen Ermittlungsaufwands der Polizei, dutzender Such-Aktionen, Zeugen-Aufrufen und weit mehr als 1000 Hinweisen, denen nachgegangen wurde, blieb die junge Frau spurlos verschwunden. Auch vom mutmaßlichen Mörder der 21-Jährigen fehlt jede Spur. Denn dass Tanja Gräff am 7. Juni 2007 in den frühen Morgenstunden einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist, steht für die Ermittler fest. Nur: Wo ist die Tat geschehen? Was hat der Täter mit der Leiche gemacht? Und natürlich: Wer ist für das brutale Verbrechen verantwortlich? Nur drei von vielen Fragen, auf die es immer noch keine Antworten gibt.

"Wir tappen weiter im Dunkeln", sagt Mordkommissionsleiter Bernd Michels und fügt hinzu: "Wir suchen nicht die Nadel im Heuhaufen, wir suchen zunächst einmal den Heuhaufen selbst." Deutlicher kann man wohl kaum zum Ausdruck bringen, dass die Ermittler weit davon entfernt sind, im Vermisstenfall Tanja Gräff etwas Verwertbares in den Händen zu halten. Sämtliche Spuren, denen die Trierer Polizisten seit Tanjas Verschwinden nachgingen, verliefen im Sande.

Mitte Januar - ein Jahr nach der Sonderkommission - war auch die 15-köpfige Ermittlungskommission aufgelöst worden. Seitdem kümmert sich wieder das Kommissariat von Bernd Michels um den ungelösten Fall. Zwei Kollegen seien mit der Sache betraut, sagt der Mord-Ermittler, zwar "nicht täglich, aber immer mal wieder". Beispielsweise dann, wenn ein neuer Hinweis eingehe - auch wenn deren Qualität inzwischen oft fraglich sei, wie Michels anmerkt. "Es war zuletzt jedenfalls nichts dabei, was uns auch nur ansatzweise weitergebracht hätte", sagt der 62-Jährige, dem schwanen dürfte, dass sein größter Wunsch - die Aufklärung des Vermisstenfalls Tanja Gräff - vor der Pensionierung wohl nicht in Erfüllung gehen wird.

Aber eine paar Monate bleiben dem Ersten Kriminalhauptkommissar ja noch. "Und es gab schließlich schon Fälle", macht sich Bernd Michels selbst Mut, "die erst nach vielen Jahren geklärt wurden."

Mit Tanjas Eltern, die derzeit in Kur sind, hat Michels nach eigenen Angaben weiter einen "sehr guten Kontakt. Wir treffen uns regelmäßig, telefonieren miteinander." Dass der scheidende Mord-Ermittler den Eltern dabei nichts Neues über das Schicksal der Tochter berichten kann, wird ihn selbst wohl am meisten wurmen.