Verpatzter Einstieg

Hier ein paar tausend Euro verdient und auf die hohe Kante gelegt, da eine Reserve von den Eltern gebunkert und dort noch eine kleine Erbschaft von der Oma: Und flugs ist der Bettelstudent gar nicht mehr so arm, wie er sein möchte, um Bafög zu kassieren.

Was bietet sich da vermeintlich mehr an, als die Zinseinkünfte einfach zu "vergessen", wenn der Antrag für die staatliche Ausbildungshilfe ausgefüllt wird. Doch die Rechnung wurde ohne den Wirt, sprich: das Finanzamt, gemacht. Um zu vernachlässigende Kleinigkeiten geht es bei der Schummelei, die sich bis zum Betrug auswachsen kann, keineswegs. Rund 4,4 Millionen Euro, die bisher an Rückforderungen allein im Land auflaufen, sind kein Pappenstiel. Fatal an der Angelegenheit ist natürlich, dass die schwarzen Schafe nicht nur die Studenten insgesamt in die Schlagzeilen bringen, sondern auch den Eindruck vermitteln, dass der Akademikernachwuchs wohl so notleidend nicht sein kann, wenn Zinseinkünfte über die Freigrenze sprudeln. Landen 170 Betrügereien sogar beim Staatsanwalt, dokumentiert dies durchaus eine gewisse kriminelle Energie. Was vielleicht als "Vergesslichkeit" begann, entpuppt sich dann als nicht gerade gelungener Einstieg ins wahre Leben. All denen, die auf Bafög und möglicherweise auch die - politisch meist umstrittene - nächste Erhöhung angewiesen sind, wird damit ein Bärendienst erwiesen. j.winkler@volksfreund.de

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