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Versorger geben Entwarnung: Trinkwasser in Nähe der US-Air Base einwandfrei

Versorger geben Entwarnung: Trinkwasser in Nähe der US-Air Base einwandfrei

Seit bekannt ist, dass das Grundwasser rings um die Air Base Spangdahlem erheblich mit Schadstoffen verunreinigt ist, die als krebserregend gelten, haben die deutschen Wasserversorger im Umfeld des Flugplatzes ihre Brunnen und Quellen analysieren lassen: Zwar finden sich stellenweise Spuren von PFT, doch werden die Richtwerte nirgends überschritten. Die Air Base hat nun ebenfalls Tests angekündigt.

Spangdahlem. Meterhoch schießen die Flammen von einem brennenden Flugzeugwrack in den Himmel, während Feuerwehrleute versuchen, das Inferno unter Kontrolle zu kriegen. Bis zu den Knöcheln stehen sie im Löschschaum, der speziell dazu gedacht ist, Kerosinbrände zu ersticken.
Szenarien wie dieses hat es auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem und der ehemaligen Air Base Bitburg über Jahrzehnte hinweg gegeben. Noch nicht allzu lange ist bekannt, dass mit diesen Löschschäumen perfluorierte Tenside (PFT) in die Umwelt gelangten, die zum einen im Verdacht stehen krebserregend zu sein und zum anderen so gut wie unzerstörbar sind.
Während die Air Base Spangdahlem nach eigener Auskunft bereits seit 2009 weiß, dass sich in ihrem Grundwasser PFT befindet, hat die benachbarte Verbandsgemeinde Wittlich-Land erst 2013 von dem Problem erfahren: Bei einer Routineuntersuchung waren in einer Kläranlage perfluorierte Tenside festgestellt worden. Weitere Nachforschungen ergaben, dass ein nahe Binsfeld gelegener Angelweiher so stark kontaminiert ist (der Wert ist tausendfach höher als jener, den die EU empfiehlt), dass die Fische nicht mehr gegessen werden sollten. Und eine Studie vom Februar 2014, die die Air Force in Auftrag gegeben hatte, zeigt, dass auch das Grundwasser rings um Spangdahlem bis in eine Tiefe von 80 Metern zu stark belastet ist. Seit der TV am 10. November darüber berichtete, haben die deutschen Wasserversorger ihre Brunnen und Quellen testen lassen. Hier die Ergebnisse:

In der Verbandsgemeinde (VG) Speicher war das Beilinger Trinkwasser bereits 2013 und 2014 auf PFT untersucht worden. Laut Bürgermeister Manfred Rodens (CDU) wurden keine Tenside nachgewiesen. Auch das Wasser einer Quelle in Auw und eines Brunnens in Speicher ist unbelastet, genau wie das Wasser, das der Ort Spangdahlem aus dem Wittlicher Land bezieht. "Das ist eine gute Nachricht für unsere Bürger", sagt Rodens.
Neben dem Wasser wurde auch der Klärschlamm aus den Kläranlagen Beilingen und Spangdahlem untersucht: Der Richtwert liegt bei 100 Mikrogramm/Kilogramm. Vorhanden sind 16,7 und 28,3 Mikrogramm/Kilogramm, also deutlich weniger.

Rodens war vergangene Woche zu Gast auf der Air Base. Er sei beeindruckt, was dort alles getan wurde, um Umweltschäden zu vermeiden. Allerdings fordert der Bürgermeister noch einiges: Er will, dass die Air Base alle relevanten Untersuchungsergebnisse in Sachen PFT offenlegt, er fordert dass die Quellen der Belastungen gefunden und Maßnahmen zum Schutz von Trinkwasser, Bächen und Flüssen entwickelt werden. Und es müsse geklärt werden, wie mögliche Schäden in den Kommunen ausgeglichen werden können (siehe Extra). Am 10. Oktober wird die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord den Verbandsgemeinderat Speicher rund um das Thema informieren. Auch Vertreter der Air Base stehen dann für Fragen zur Verfügung.

Die VG Wittlich-Land hat sich im vergangenen Jahr bereits intensiv mit der PFT-Problematik beschäftigen müssen, da die Umgebung von Binsfeld stark betroffen ist. Die SGD analysierte dort Grundwasser, Bäche und Seen, wobei sie Belastungen feststellte, die erheblich über den deutschen Richtwerten liegen. Ende September gab es eine Infoveranstaltung zum Thema. Bereits 2013 ließen die Verbandsgemeindewerke das Abwasser im Kanalnetz von Binsfeld untersuchen, um herauszufinden, wer die PFT-Belastung des Klärschlamms verursacht. Seitdem laufen Gespräche mit der Air Base, in die Bundes-, Landes- und Lokalpolitiker und die deutsche Wasserbehörde eingebunden sind. "Die Vertreter der amerikanischen Streitkräfte zeigten sich dabei sehr kooperativ", sagt Bürgermeister Dennis Junk (CDU).
Gleich nachdem bekannt geworden war, dass auch tiefere Grundwasserschichten verunreinigt wurden, hat der Zweckverband Wasserversorgung Eifel-Mosel am 11. November Trinkwasserproben nehmen lassen - und kann daher nun Entwarnung geben: Die Quellen bei Großlittgen und Eisenschmitt sind nicht belastet.

Die Stadtwerke Trier haben seit Bekanntwerden des PFT-Problems viele Nachfragen besorgter Kunden bekommen. "Deshalb möchten wir betonen, dass das Trinkwasser die hohen Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllt und bedenkenlos zu genießen ist", sagt Helfried Welsch, Bereichsleiter Anlagen und Netze bei den Stadtwerken Trier.
Die Proben aus der Riveristalsperre enthalten kein PFT. Im Brunnenwasser des Kylltalwasserwerks wurden 0,005 Mikrogramm des Schadstoffs pro Liter nachgewiesen. Zwar finden die SWT das Ergebnis nicht beruhigend (da ja Spuren enthalten sind), doch liegt der Wert ein Zwanzigfaches unter dem, was das Umweltbundesamt für lebenslang duldbar hält (0,1 Mikrogramm pro Liter).
Um den Ursprung der Belastung zu finden, haben die Werke inzwischen alle Brunnen im Kylltal beprobt: In flussnahen Brunnen wurden PFT-Konzentrationen von maximal 0,017 Mikrogramm pro Liter nachgewiesen. Der höchste Wert fand sich bei Kordel. Andere Brunnen seien schadstofffrei.
Einen aktuellen Handlungsbedarf gibt es nicht, da die Richtwerte eingehalten werden. "Wir werden die Entwicklung der PFT-Werte aber intensiv beobachten und die mögliche Aufbereitungstechnik zur Entfernung prüfen. Darüber hinaus planen wir, unser Labor mit einer entsprechenden Analysetechnik auszustatten", sagt Welsch.

Auch die VG Bitburger Land hat Proben entnehmen lassen - und zwar aus der Quelle Dudeldorf und einem Tiefbrunnen in Sülm. Die Ergebnisse sollen Anfang kommender Woche vorliegen.
Die Brunnen in Oberkail und Seinsfeld (ehemalige VG Kyllburg) werden von den Stadtwerken Trier in Zusammenarbeit mit dem Wasserversorger KNE in naher Zukunft noch analysiert.
"Wir vertrauen darauf, dass alle mit der Problematik befassten Stellen, auch die Verantwortlichen des Flugplatzes Spangdahlem, sich intensiv bemühen, die PFT-Problematik in den Griff zu bekommen und alles dafür tun, dass wir unseren Bürgern ein unbelastetes Trinkwasser anbieten können", sagt Bürgermeister Josef Junk (SPD). In der Vergangenheit habe man bereits beachtenswerte Erfolge in der Reduzierung von Umweltgefahren erzielt. Diese Bemühungen aller Seiten setzten sich bis heute fort und man gehe offen und kritisch miteinander um.

Die Air Base Spangdahlem sah für PFT-Trinkwasseranalysen bisher keinen Anlass. Der Luftwaffenstützpunkt bezieht sein Wasser aus zwei Tiefbrunnen bei Niederkail und einem weiteren in Großlittgen. Nach Auskunft von Captain Bryon J. McGarry, dem Chef der Pressestelle, ist Trinkwasser weder nach US-Vorschriften noch nach deutschen Standards auf die Schadstoffe zu testen. "Es gibt daher keine Erfordernis für eine Prüfung unsererseits", sagt er. Allerdings hat es in den vergangenen Wochen Gespräche mit den Verbandsbürgermeistern und Vertretern deutscher Behörden gegeben, "die ein besonderes Interesse an der Thematik" zeigen - und wohl auch politischen Druck ausgeübt haben. Kommodore Oberst Peter Bilodeau sagt nun: "Wir teilen die Bedenken unserer Gastgeber und sind verpflichtet, unser Personal, unsere Familien und Nachbarn zu schützen. Im Dialog mit unseren deutschen Partnern haben wir entschieden, unser Trinkwasser zu testen". Einen Zeitpunkt für die Analysen gibt es noch nicht.
Nach Auskunft McGarrys hat der Flugplatz bereits mehr als 50 Millionen Euro in Umweltschutz und Sanierungsmaßnahmen investiert. Seit 2010 werden in Spangdahlem keine PFT-haltigen Löschschäume mehr benutzt. Eine deutsch-amerikanische Expertengruppe sucht derzeit nach den Quellen der Verunreinigungen.Meinung

Werke reagieren vorbildlich
Es stimmt, was die Air Base Spangdahlem mitteilt: Trinkwasser muss laut aktueller Gesetzeslage nicht auf perfluorierte Tenside untersucht werden. Dennoch ist es schwer zu verstehen, dass sie dies bisher nicht getan hat, obwohl ihr doch aus eigenen Analysen schon seit Februar 2014 bekannt ist, dass das Grundwasser rings um den Stützpunkt bis in Tiefen von rund 80 Metern erheblich mit PFT und anderen Schadstoffen belastet ist. Eine Situation, die zeigt, wie es ist, wenn die Rechtslage nicht zur Realität passt. Aber: besser spät als nie. Die deutschen Wasserversorger und die zuständige Wasserbehörde haben vorbildlich schnell reagiert. Sie tun trotz der offenbar lückenhaften Gesetzeslage und trotz der größeren Entfernung zur Schadstoffquelle alles, um jedes Risiko für die Bürger auszuschließen. Die Analysen zeigen zum Glück: Überall in der Region kann man das Wasser bedenkenlos trinken. Sie zeigen aber auch, dass sich die Schadstoffe bereits weit verteilt haben und selbst in den Tiefen unserer Grundwasserleiter angekommen sind. Da sie nicht abgebaut werden, ist zu befürchten, dass ihre Konzentration steigt. Beruhigend ist das nicht. Gut, dass die Wasserwerke versprechen, die Entwicklung im Blick zu behalten. k.hammermann@volksfreund.deExtra

Die VG Wittlich-Land hat Schadensersatz in Höhe von fast 240 000 Euro beantragt. 2012 hatten Messungen gezeigt, dass der Klärschlamm der südlich des Flugplatzes Spangdahlem gelegenen Kläranlage Kailbachtal so stark mit PFT belastet ist, dass er nicht mehr in der Landwirtschaft ausgebracht werden darf. Seitdem muss der Schlamm abgeholt und verbrannt werden, was für das Abwasserwerk der VG Wittlich-Land deutlich teurer ist. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat nun einem ersten Antrag auf Schadensersatz - es geht um 181 700 Euro - zugestimmt und wird die Kosten übernehmen. Ein weiterer Antrag (58 000 Euro) wurde eingereicht. So lange die PFT-Konzentration nicht abnimmt (und damit rechnen die Werke nicht), werden weitere Kosten anfallen. kah