Vertracktes Problem

Die neue Großraumhalle in Trier ist zweifellos eine Bereicherung für die Stadt und die Region. Sie verbessert die Infrastruktur und lockt durch hoch karätige Sport- und Kulturveranstaltungen Besucher an, die viel Geld in Trier lassen. Doch dass nicht alles Gold ist, was so schön glänzt, bekommen zurzeit die Bundesliga-Basketballer und -Handballerinnen zu spüren. War das Bewirten der VIP´s nach den Heimspielen früher ein Positivfaktor im Saisonetat, müssen die Vereine das nun teuer bezahlen. Nicht sie verdienen nun mehr am Catering, sondern Bernd Gritzmacher, der sämtliche Gastronomie-Rechte in der Halle hält. Für die TBB und die "Miezen" sind hohe Kosten entstanden, die unter Umständen existenzbedrohend werden könnten. Da Gritzmacher mit seinen Unterhaltungsbetrieben insolvent ist, können die Sportler von ihm kein Entgegenkommen erwarten. Die Stadt Trier hat angesichts dieser Sachlage ein Problem. Sie muss als Mehrheitsgesellschafter der Betreibergesellschaft Castel mbH aufgrund der hohen Betriebskosten der Arena ein elementares Interesse daran haben, dass es den Hauptnutzern TBB und Miezen finanziell gut geht und sie erstklassig bleiben. Da die Basketball GmbH eine 100-prozentige Tochter der Castel GmbH ist, ist die Stadt sogar direkt für die TBB mitverantwortlich. Bernd Gritzmacher hingegen hat ein anderes Interesse. Er verfolgt als Unternehmer verständlicherweise das Ziel, Geld zu verdienen. Im Fall des VIP-Caterings geht das leider zu Lasten der Sportvereine. Es könnte sich somit bald rächen, dass Gritzmacher als Hallen-Gastronom auserkoren wurde, ohne ihn zu verpflichten, Anteile an der Betreibergesellschaft zu erwerben. Er genießt alle Rechte, ohne sich der Pflicht stellen zu müssen, auch auf das Risiko der Betreibung und damit auf die Haupthallennutzer TBB und "Miezen" Rücksicht zu nehmen. Warum Gritzmacher kein Gesellschafter der Castel GmbH ist, wie es stets öffentlich kolportiert wurde, bleibt ein Geheimnis der Stadtväter. Ursprünglich war geplant, dass sich der Gastronom im Gegenzug für den Erhalt der Rechte mit 24,9 Prozent beteiligt und die Kommune ihren 40-prozentigen Anteil auf 25,3 Prozent zurückfährt. Es stellt sich die Frage, wie und warum ausgerechnet Eintracht-Präsident Gritzmacher als Gastronom auserwählt wurde. Gab es keine anderen Bewerber? Oder erfüllte er als Einziger die Bedingungen? Und war es bei der Vergabe-Entscheidung nicht bekannt, dass er mit seiner Riverside GmbH in finanziellen Schwierigkeiten steckte? Selbst wenn es Antworten auf diese Fragen gäbe, würden sie den Vereinen nichts mehr nützen. Denn das Problem des VIP-Caterings ist so vertrackt, dass es kaum lösbar scheint. f.giarra@volksfreund.de

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