Vertuschungen am Hahn: Geschäftsführer darf nicht ermitteln

Vertuschungen am Hahn: Geschäftsführer darf nicht ermitteln

Nach und nach kommen mehr Unregelmäßigkeiten am Flughafen Hahn ans Licht. Bei einer internen Untersuchung muss eine Arbeitsgruppe auf einen Fall möglicher Günstlingswirtschaft gestoßen sein, der bereits 2009 zu Kontroversen im Aufsichtsrat geführt haben soll. Das hat die Rhein-Zeitung (Koblenz/Mainz) aus gut informierten Kreisen erfahren.

Hahn. Bei dem Fall möglicher Günstlingswirtschaft geht es um die Firma, die sich am Hahn um die Passagierabfertigung kümmert. Der Vertrag mit dem Unternehmen, der Serve & Smile Dienstleistungs-GmbH (SSD), wurde 2009 ohne Ausschreibung vorzeitig verlängert - angeblich mit Zustimmung der damaligen Flughafengeschäftsführung. Kurz nach der Vertragsverlängerung übernahm die Ehefrau eines leitenden Angestellten der Flughafengesellschaft sämtliche Anteile der Firma.
Das millionenschwere Geschäft muss heftige Debatten im Aufsichtsratsrat ausgelöst haben. Die Ehefrau des leitenden Angestellten gab die Gesellschafteranteile schließlich wieder zurück, ist aber in dem Unternehmen an verantwortlicher Stelle verblieben.
Der leitende Angestellte (Prokurist), der damals an dem Zustandekommen des fragwürdigen Vertrags beteiligt war, ist bis heute bei der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH (FFHG) im Amt.
Von dem umstrittenen Geschäft ist auch die Gepäckabfertigung betroffen, die eine Tochterfirma der SSD abwickelt.
Unterdessen hat Heinz Rethage, Geschäftsführer der Frankfurt Hahn GmbH, der Rhein-Zeitung erklärt, dass ihm Aufsichtsratschef Hans Endler bereits am vorigen Freitag überraschend die Zuständigkeit für die Vorfälle um die SSD entzogen hat. Rethage hatte die Arbeitsgruppe geleitet, die auf die Unregelmäßigkeiten gestoßen war.
Der Rhein-Zeitung sagte der Hahn-Geschäftsführer: "Der Aufsichtsrat hatte mich in seiner Gesamtheit ermächtigt, gemeinsam mit meinem Kollegen in der Geschäftsführung, Wolfgang Pollety, und einem renommierten externen Arbeitsrechtler die von mir aufgedeckten arbeitsrechtlichen Fragen nochmals zu bewerten. Nun ist dies mir ausdrücklich untersagt worden." Ein neuer Beschluss von Aufsichtsrat oder Gesellschafterversammlung existiert laut Rethage nicht.Extra

Mit dem eingeleiteteten Sanierungskonzept des neuen Geschäftsführers Heinz Rethage ist der Flughafen Hahn nach Meinung der Trierer IHK-Spitze auf dem richtigen Weg. In einem TV-Interview (siehe Montagausgabe, 2. September) haben IHK-Präsident Peter Adrian und IHK-Geschäftsführer Jan Glockauer dargelegt, was ihrer Meinung nach geschehen muss, damit der Hahn eine Zukunft hat. So müsse an dem Hunsrück-Flughafen betriebswirtschaftlich alles stringent aufgearbeitet werden: Personalkosten, Gebäudemanagement, die Erlösstruktur. Das Sponsoring, die Dienstwagenregelung, die Gastronomie, die Parkraumbewirtschaftung - all das müsse hinterfragt werden. Zudem würden zusätzlich Konzepte und Visionen gebraucht, "was man mit dem Hahn machen und wo man mit ihm hin will". Auch darf der Hahn nach Meinung der IHK-Spitze nicht auf Sackgassen wie das normale Frachtgeschäft hoffen, sondern muss sich vielversprechende Nischen suchen. "Spezialfracht wäre eine solche Nische." fcg

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