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Verwunderung über den Eiertanz

Verwunderung über den Eiertanz

Nach dem Tod von drei deutschen Soldaten nahe Kundus fordert der Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, die Bundeswehr besser auf die massiven Angriffe der Taliban einzustellen.

Berlin. (has) Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sei zu sehr mit seiner eigenen Verteidigung in der Kundus-Affäre beschäftigt, kritisiert der Grüne. Mit Trittin sprach unser Korrespondent Hagen Strauß.

Herr Trittin, das war ein schwarzer Karfreitag für die Bundeswehr. Wie bewerten Sie die Situation am Hindukusch?

Jürgen Trittin: Die Ereignisse zeigen, in welch eine schwierige Lage die Bundeswehr auch im Norden Afghanistans geraten ist. Das ist lange Zeit von der Bundesregierung schöngeredet worden. Der Punkt ist: Die Defizite im zivilen Aufbau haben eine Stabilisierung vieler Gebiete auch im Norden verhindert. Daraus ist eine manifeste militärische Bedrohung für die deutschen Soldaten entstanden, wie sich jetzt leider wieder gezeigt hat. Die Bundeswehr muss stärker auf die bessere Ausrüstung der Angreifer und die Massivität der Angriffe eingestellt werden.

Verteidigungsminister Guttenberg sagt, "umgangssprachlich" könne man von Krieg reden. Ist das auch Ihre Position?

Trittin: Ich habe mich immer über den Eiertanz gewundert, den die Bundesregierung in dieser Frage vollführt. In Teilen Afghanistans herrscht doch schon lange Krieg, die Umgebung von Kundus gehört dazu. Für andere Teile des Landes trifft die Bezeichnung Krieg nicht zu. Wenn man das Wort Krieg verwendet, darf man es aber nicht nur mit Blick auf die schlimmen Opfer benutzen, die deutsche Soldaten erbringen müssen.

Wenn das so ist, ist ein Abzug der Bundeswehr ab 2011, wie ihn die Bundesregierung plant, überhaupt realistisch?

Trittin: Ich kann nicht erkennen, dass der Beginn des Abzugs 2011 in der deutschen Strategieplanung verankert ist. Bisher haben wir bei allen Mandaten einen weiteren Aufwuchs und nicht ein Abschmelzen der militärischen Präsenz erlebt. Es ist aber notwendig, dass die Soldaten erfahren, wie lange ihr Einsatz dauern wird und welche Stabilisierungsziele er umfasst.

Es gibt Stimmen, die einen sofortigen Abzug fordern. Auch in Ihrer Partei. Was entgegnen Sie?

Trittin: Ein sofortiger Abzug der Bundeswehr würde nicht weniger, sondern mehr Krieg bedeuten. Das hätte den Rückfall weiter Teile Afghanistans in einen blutigen Bürgerkrieg zur Folge. Das darf nicht passieren.

Wie schätzen Sie das Afghanistan-Management von Minister Guttenberg ein?

Trittin: Die politische Führung der Bundeswehr gibt zurzeit kein glückliches Bild ab. Guttenberg ist zu sehr mit seiner eigenen Verteidigung in der Kundus-Affäre beschäftigt. Er hätte mit Blick auf die Tanklasterangriffe im September einfach einen Fehler eingestehen sollen.

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