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Verzückte Delegierte, Ehemann Bill und die echte Hillary

Verzückte Delegierte, Ehemann Bill und die echte Hillary

Erstmals schickt eine der großen US-Parteien eine Frau ins Rennen um das Weiße Haus. Die Demokratin Hillary Clinton soll dorthin zurückkehren, wo sie als First Lady schon einmal war.

Philadelphia. Für Gloria Goodwin ist die Sache klar. "Wir haben Geschichte geschrieben, es ist vollbracht", sagt sie und lächelt ein versonnenes Lächeln. Die zierliche schwarze Frau hat sich herausstaffiert für diesen Abend, der in die Chronik eingehen soll. Auf dem Kopf trägt sie einen Hut in den Landesfarben, blau mit roter Krempe, von dem eine weiße Feder absteht. Die Buttons, die sie sich dicht an dicht an ihre apricotfarbene Bluse geheftet hat, handeln fast alle von Frauenpower.
Gloria Goodwin ist aus Jacksonville, einer Kleinstadt in North Carolina, nach Philadelphia gereist. Als Delegierte der Demokratischen Partei hat sie Hillary Clinton ihre Stimme gegeben. Nun ist es amtlich, Clinton die Kandidatin. Zum ersten Mal in der Geschichte einer der beiden großen amerikanischen Parteien hat eine Frau die Chance, ins Weiße Haus einzuziehen. Goodwin lächelt ihr stilles Lächeln und spricht von einem Moment, der überfällig war. "Wir Frauen haben zu lange gewartet, dass endlich mal eine von uns im Oval Office regiert. Wir managen sonst ja alles, unsere Familien, unsere Firmen, unsere Männer." Dann erzählt sie von der Rassentrennung, deren Demütigungen sie noch miterlebte.Und nun, so sieht es Goodwin, hat das Land auch mit dem letzten Vorurteil aufgeräumt, mit dem Märchen, wonach eine Frau nicht Präsidentin werden kann. Auf dem Monitor über der Bühne zerspringt derweil eine Glasscheibe in Tausende Splitter. Aus Chappaqua, aus ihrer Villa im gediegenen New Yorker Vorortambiente, meldet sich Hillary Clinton zu Wort. Das mit dem Glas ist ihr Motiv, seit sie vor acht Jahren nach ihrer Niederlage gegen Barack Obama die Zukunft beschwor: Die Glasdecke, die Frauen den Zugang zur obersten Etage der Politik versperre, werde schon bald krachend zu Boden fallen. Sollten zu dieser späten Stunde noch irgendwo kleine Mädchen wach sein, so wolle sie ihnen nur sagen: "Ich werde vielleicht die erste Frau Präsidentin, aber eine von euch ist als Nächste an der Reihe."
Davor hatte Meryl Streep, in Hollywood Clintons größter Fan, von der Mischung aus Charakterstärke und Anmut gesprochen, mit der Frauen sich immer nach vorn kämpfen mussten. Und davor hatte Bill Clinton, noch immer einer der begabtesten Geschichtenerzähler der amerikanischen Politik, aus dem gemeinsamen Leben mit Hillary erzählt. Der 42. Präsident der USA versucht ein Hillary-Bild zu zerpflücken, wie es sich bei einer Mehrheit seiner Landsleute in den Köpfen festgesetzt hat. Den einen ist sie zu kühl, zu abgehoben. Andere nehmen ihr ihre Nähe zum großen Geld übel, symbolisiert durch ihre üppig bezahlten Reden bei der Investmentbank Goldman Sachs. Umfragen zufolge haben zwei Drittel der Wähler kein Vertrauen in Hillary Clinton. Gäbe es nicht Donald Trump, wäre sie die unpopulärste Präsidentschaftsbewerberin der jüngeren Geschichte. Gegen all das versucht ihr Mann anzureden.
"Im Frühjahr 1971 traf ich ein Mädchen", beginnt er, als gebe er eben mal beiläufig eine Reihe von Anekdoten zum Besten. Er schildert eine Studentin ohne Make-up, dafür mit Selbstsicherheit, die ihm imponierte und die sich dann irgendwann auch für ihn interessierte. Bill Clinton erzählt, wie er Hillary Rodham den Hof machte, wie sie zwei Heiratsanträge abschlägig beschied, bevor sie beim dritten Ja sagte. Er erzählt davon, wie die junge Juristin Rodham durchs ländliche Alabama fuhr, wo weiße und schwarze Kinder trotz rechtlicher Gleichstellung noch viel zu oft in getrennten Klassenzimmern saßen. Oder durch South Carolina, wo sie herausfinden wollte, warum sich Minderjährige Gefängniszellen mit erwachsenen Straftätern teilen mussten. Das sei die reale Hillary, fasst er es am Ende seiner Rede zusammen und fragt mit spöttischem Unterton, worin denn eigentlich der Unterschied bestehe zwischen seiner Darstellung und der Karikatur, die der politische Gegner von seiner Frau zeichne. Was sei denn nun der Unterschied, fragt Clinton und gibt selber die Antwort: "Die eine Frau ist echt, die andere ist erfunden." Da könne man doch von Glück reden, dass die Delegierten die echte Hillary Clinton nominiert hätten.Extra

Sie kann die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Damit wäre sie also die erste Frau, die dieses superwichtige Amt im Land USA übernimmt. Denn nun steht fest: Hillary Clinton ist die Kandidatin der Demokratischen Partei. Das legten die Mitglieder der Partei auf ihrem riesigen Treffen fest. Gewählt wird in den USA aber erst im November. Erst dann entscheidet sich, ob Hillary Clinton den Job bekommt oder ein Mann einer anderen Partei: Donald Trump. Viele Frauen in den USA freuen sich darüber, dass Hillary Clinton zur Wahl steht. Berühmte Sängerinnen und Schauspielerinnen unterstützen sie. Eine der Frauen sagte: "Hillary Clinton wird unsere erste Präsidentin. Und sie wird eine großartige Präsidentin sein." Was es bedeutet, Präsidentin zu sein, kann sich die Politikerin gut vorstellen. Die 68-Jährige kennt sich mit Politik prima aus: Sie war mehrere Jahre Senatorin und sogar schon Außenministerin der USA. Außerdem bekam sie als Ehefrau des früheren Präsidenten Bill Clinton viel von dessen Arbeit mit: Das Ehepaar lebte damals zusammen mit seiner Tochter Chelsea im Weißen Haus. In dem riesigen Gebäude hat der Präsident seinen Arbeitsplatz. Allerdings finden längst nicht alle Leute Hillary Clinton super. Manche nehmen es ihr zum Beispiel übel, dass sie viel Geld für Reden angenommen hat. dpa