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Viel Arbeit und zu wenig Rente

Viel Arbeit und zu wenig Rente

Nach 40 Jahren Arbeit nur 400 Euro Rente: Viele Bauern müssen im Alter mit sehr wenig Geld auskommen. Peter Schmitz (Name geändert) hat mehr Glück: Dank einer Lebensversicherung und Pachteinnahmen kommen er und seine Frau dennoch über die Runden.

Bitburg/Prüm. Der Stall ist leer, das Land verpachtet und ein Tag so ganz anders als in den 40 Jahren zuvor.

40 Jahre, die für Peter Schmitz und seine Frau "schon viel Knochenarbeit" bereithielten. Morgens um sechs in den Stall, 40 Kühe melken, misten, füttern, Jungtiere versorgen, später aufs Feld und abends wieder für drei Stunden in den Stall.

Nun sind sie Rentner. Und haben die Zeit, das Leben mal in Ruhe genießen zu können. Dass sie auch das Geld dafür haben, verdanken sie maßgeblich einer Erkenntnis, die Peter Schmitz schon in frühen Jahren gewann: Auf die bäuerliche Rente alleine darf man sich nicht verlassen.

Denn hätte das Ehepaar Schmitz dies getan, so ginge es ihnen heute schlecht: Er bekommt netto 425 Euro Rente. Sie 244. Macht zusammen 669 Euro. "Von der Rente alleine könnten wir nicht leben", sagt der ehemalige Bauer aus einem Dorf in der Nähe Bitburgs und erinnert sich - entspannt im Wohnzimmer seines liebevoll restaurierten Südeifeler Bauernhauses sitzend - an den Moment, in dem ihm dies klar wurde: "Die Rente - das Geld reicht für den Tabak", habe sein Opa immer gesagt. Denn die Rente, das waren damals 40 Mark. Weil ihm klar war, dass die Zeiten sich ändern und es eines Tages nicht mehr selbstverständlich sein könnte, dass mehrere Generationen unter einem Dach leben und sich umeinander kümmern, schloss Schmitz schon im Alter von 25 Jahren eine Lebensversicherung ab. Wenige Jahre später bekam dann auch seine Frau eine solche Versicherung. Und das war gut so.

Denn mit den 100 000 Euro, die ihnen vor wenigen Jahren ausgezahlt wurden, finanzierten sie eine auf dem Stalldach montierte Fotovoltaikanlage, die ihnen nun 450 Euro monatlich einbringt. Weitere 500 Euro haben sie an Pachteinnahmen und kommen daher, anders als viele andere, gut über die Runden. "Viele Bauern, die aufhören, sind froh, wenn sie es geschafft haben, ihre Schulden abzubezahlen." Die müssten dann mit der knappen Rente auskommen, sagt Schmitz, der noch etwas anders gemacht hat als andere: Er hat relativ wenig Geld in Maschinen investiert. "Wir konnten daher auch mehr sparen."

Eine Tatsache, die das Haus der Familie Schmitz widerspiegelt: Es hat neue Fenster und Türen, schöne Holzfußböden, einen frischen Anstrich und einen hübschen Bauerngarten. Kurz: Es ist so gut in Schuss wie nie, seit Schmitz' Vorfahren es vor rund 200 Jahren bauten.

Und wohl auch so leer wie noch nie. Denn statt mehrerer, lebt hier nur noch eine Generation. Dass keine der drei Töchter, die alle studiert haben, den Betrieb weiterführt, findet Schmitz allerdings nicht schlimm. Die Situation in der Landwirtschaft sei so schwierig geworden.

Und das nicht erst, seit es darum geht, mit einer landwirtschaftlichen Rente über die Runden zu kommen.Bitburg-Prüm das Armenhaus der Republik? Die Statistik weist den Eifelkreis Bitburg-Prüm als die Region in Deutschland aus, in denen Senioren die niedrigsten Altersrenten beziehen: im Durchschnitt 621 Euro im Monat. Doch die Deutsche Rentenversicherung gibt zu bedenken, dass hier eine Sondersituation vorliegt. So bekommt jeder fünfte Rentenbezieher (20 Prozent) auch noch Altersrenten aus dem Ausland, in der Regel Luxemburg. In der Region sind dies sonst nur zehn Prozent. Die durschnittlichen Altersrenten betragen in der Stadt Trier 930,18 Euro (Männer) und 466,84 Euro (Frauen) im Monat. Im Landkreis Trier-Saarburg sind es 935,36 Euro und 352,87 Euro, in Bernkastel-Wittlich 901,28 Euro und 348,23 Euro, im Eifelkreis 870,28 Euro und 314,99 Euro und in der Vulkaneifel im Schnitt 962,55 Euro und 354,20 Euro. Bei vielen Rentenbezieherinnen kommt die Rente dadurch zustande, dass sie Ansprüche durch ihre Kinder erworben haben. (hw)