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Viel Lob und ein Ratschlag für „AKK“

Annegret Kramp-Karrenbauer, neue Hoffnungsträgerin in der CDU.
Annegret Kramp-Karrenbauer, neue Hoffnungsträgerin in der CDU. FOTO: Kay Nietfeld / dpa
Berlin. Die CDU ist zufrieden mit der Personalentscheidung Merkels. Und die CSU hofft auf eine neue Verbündete. Von Hagen Strauss

Der Mann, der unlängst in einem Zeitungsbeitrag eine „konservative Revolution“ gefordert hat, war gestern erst einmal voll des Lobes für die künftige CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Saarländerin stehe für ein „kluges Themenmanagement“, meinte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt vor Journalisten. Sie sei „mutig“ und setze auch auf „bürgerlich-konservative“ Inhalte. Das gefällt dem Bayern. Doch Dobrindt wäre nicht Dobrindt, wenn er nicht auch ein wenig Wasser in den Wein gießen würde.

Zumindest auf die CDU scheint das Phänomen des ersehnten Heilsbringers, das man vor allem aus der SPD kennt, mit der Personalie Kramp-Karrenbauer übergeschwappt zu sein. Bisher gab es bei der Union nur Merkel, und dahinter eigentlich niemanden. Das ist jetzt anders. „AKK“ sei eine „tolle Politikerin“, schwärmte Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU). „Und sie wird der Bundespolitik guttun.“ Außerdem wisse Kramp-Karrenbauer genau, wie man Wahlen gewinne. Sie sei daher „die bestmögliche Lösung, die wir haben“.

Bei der Landtagswahl Anfang letzten Jahres holte die 55-Jährige als Ministerpräsidentin noch über 40 Prozent für die Saar-CDU, nachdem sie zuvor auf verlorenem Posten stand. Der Sieg damals trug erheblich zum Absturz des SPD-Mannes Martin Schulz bei – und damit zum Machterhalt Angela Merkels. Das Amt der Ministerpräsidentin hängt „AKK“ nun an den Nagel.

Kritische Stimmen zur neuen Personalie im Konrad-Adenauer-Haus waren bei der CDU nicht zu vernehmen, stattdessen war die Erleichterung über den Merkel-Coup allenthalben hörbar. Auch die „jungen Wilden“ in der CDU zeigten sich sehr zufrieden. So meinte der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Paul Ziemiak: „Sie ist genau die richtige Frau als Generalsekretärin für dieses Amt in dieser schwierigen Zeit.“ Allerdings betonte er zugleich: „Nur alleine mit einer Entscheidung ist der Erneuerungsprozess der Union nicht abgeschlossen.“ Das richtete sich an Angela Merkel. In der Union wartet man jetzt gespannt auf die Kabinettsliste, die sie am kommenden Sonntag den Gremien ihrer Partei präsentieren will. Also einen Tag vor dem Parteitag in Berlin, auf dem dann rund 1000 Delegierte den Koalitionsvertrag mit der SPD absegnen und Kramp-Karrenbauer zur Generalsekretärin wählen sollen.

Aber zurück zu Dobrindt. Der hatte ein solches Amt auch schon mal inne: Von 2009 bis 2013 war er CSU-Generalsekretär. Er wolle Kramp-Karrenbauer daher einen „positiv gemeinten Ratschlag“ geben: In einer solchen Position müsse man „General gegenüber dem politischen Gegner und Sekretär gegenüber der eigenen Partei sein“. Ginge es nach dem Willen des Bajuwaren, müsste Kramp-Karrenbauer die CDU wieder so positionieren, dass sie das gesamte Spektrum „von der Mitte bis zur demokratischen Rechten“ abdeckt. Auf das Konservative dürfe man daher nicht verzichten, so der konservative Revolutionär Dobrindt. Und in Kramp-Karrenbauer sieht er darin offenbar eine Verbündete – anders als in Merkel.