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Viel Wallung um Porz, Kölsch, Krug und Stößchen

Viel Wallung um Porz, Kölsch, Krug und Stößchen

Was den Trierern die Porz, ist den Hessen der Bembel, den Kölnern das Kölsch-Glas oder den Bayern der Steinkrug: Regionaltypische Schank- und Trinkgefäße gibt es vielerorts. Und immer mal wieder gibt es deshalb auch Ärger.

Vor zwölf Jahren sorgten neue Kölsch-Gläser in der Kölner Gastronomie für reichlich Wirbel. Die Gläser hatten eine schlankere Form als ihre Vorgänger - mit der Folge, dass das Bier mehr schäumte und angeblich mehr Kölsch in die Gläser gezapft werden musste, um den Eichstrich zu erreichen. Die Wirte waren sauer, eine Studie wurde in Auftrag gegeben, um zu schauen, ob sie zu Recht klagen.

Zwei Jahre später sorgte im Ruhrgebiet das Stößchen, ein kleines Bierglas, aus dem ganze Generationen ihr Pils getrunken haben, für Wallung. Eine Prüfung durch das Eichamt in Hagen hatte nach der Beschwerde eines Kneipengastes ergeben, dass die Gläser nicht dem Gesetz über das Mess- und Eichwesen entsprechen. Stößchen hätten keinen Eichstrich, monierten die amtlichen Kontrolleure, und fassten außerdem die falsche Menge. Seitdem muss ein Stößchen in der Gastronomie geeicht und mit der Mengenangabe gekennzeichnet sein.

Höhere Gläser, höherer Verlust

Anfang dieses Jahres gingen die Bayern auf die Barrikaden. Zuvor hatte es Meldungen gegeben, wonach sogenannte undurchsichtige Schankgefäße in der Gastronomie nicht mehr für den Ausschank schäumender Getränke verwendet werden dürfen. In der Praxis hätte dies das Aus für den guten alten Bierkrug bedeutet, bei dem der Konsument vor lauter Schaum den Eichstrich nicht erkennen kann. Die Rettung für den Humpen kam aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Dank einer Ausnahmegenehmigung aus dem Hause Sigmar Gabriel dürfe der Steinkrug auch nach 2015 in der Gastronomie voll gezapft werden, lautete später die Entwarnung.

Auf eine ähnliche Meldung hoffen nun auch die regionalen Vieztrinker, die wegen einer EU-Richtlinie um das Überleben ihrer traditionellen Porz fürchten. Wenn es für den bayerischen Steinkrug eine Sonderregelung gebe, müsse dies auch für die Viezporz möglich sein, meint der Präsident der Trierer Viezbruderschaft, Hanspitt Weiler. So wie es aussieht, haben die Bruderschaft und alle anderen Porzfreunde gute Chancen, dass ihr Flehen erhört wird. Rheinland-Pfalz und offenbar auch andere Bundesländer wollen sich beim Bundeswirtschaftsminister dafür einsetzen, dass es für keramische Schankgefäße eine Sonderregelung geben soll.

Die Sprecherin von Landeswirtschaftsministerin Eveline Lemke denkt da beispielsweise an ein Umfüllmaß. Würde in der Praxis bedeuten, dass der Viez zunächst in eine Art Messbecher und erst danach in die Porz geschüttet würde. Ob diese Praxis allerdings beim Viez- und Porzliebhaber auf großes Verständnis stoßen würde, sei einmal dahingestellt.

Im zwölf Jahre zurückliegenden Streit um die schlankeren Kölsch-Gläser gaben am Ende übrigens Wissenschaftler den Wirten recht. Die in Auftrag gegebene Expertenstudie kam zu dem Ergebnis, dass höhere Gläser wirklich zu einem größeren Schankverlust führen können. Die Kölsch-Gläser sollten dar-aufhin wieder schrumpfen, und die Wirte forderten vom Finanzamt eine höhere Anerkennung des Schankverlustes.Stichwort: Porz

Die Kunstkeramischen Werkstätten Gebrüder Plein in Speicher produzieren seit knapp 50 Jahren Viezporze. Nach Angaben der Trierer Viezbruderschaft ist der Eifeler Betrieb der deutschlandweit einzige verbliebene Porz-Hersteller. Früher gab es andere Hersteller, etwa die Porzellanmanufaktur Rhenania aus der Nähe von Bonn.
Woher die Porz ursprünglich stammt und wann das Trinkgefäß erstmals in Umlauf kam, ist unklar. Vom Grundstoff des Porzes, gebrannter Porzellanmasse (besteht aus Feldspat, Kaolin und Quarzsand), stammt vermutlich der Name der Trinkgefäße. Bei der über eine Woche dauernden Herstellung der Porze (gesprochen "Poarz") ist viel Handarbeit im Spiel, etwa wenn am Rohling die Gießnaht geglättet oder der Trinkrand ausgedreht wird. sey