Viele Hochgebildete, aber auch viele Arbeitslose

Viele Hochgebildete, aber auch viele Arbeitslose

Deutschland ist praktisch auf dem Weg zu einem modernen Einwanderungsland. Doch bei der Integration der Zuwanderer gibt es immer noch große Probleme, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Berlin. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat am Dienstag eine Studie veröffentlicht, die Probleme bei der Integration von Migranten verdeutlicht. Die Erkenntnisse und Fakten im Überblick:

Migrantenanteil: Knapp 20 Prozent der Bevölkerung haben ausländische Wurzeln. Das sind rund 15,3 Millionen Personen. Längst nicht alle Zuwanderer bleiben jedoch auf Dauer. Würden alle seit 1960 Eingewanderten heute noch in Deutschland leben, gäbe es hier 42 Millionen zugewanderte Personen. Die Migranten sorgen für ein Drittel der in Deutschland geborenen Kinder, obwohl sie nur ein Fünftel der Wohnbevölkerung stellen. Ohne die Migranten wären 2012 in Deutschland lediglich 400 000 statt 673 000 Kinder zur Welt gekommen.

Zuwanderung: Derzeit liegen die Zuwanderungszahlen in Deutschland auf Rekordniveau. Im letzten Jahr gab es per Saldo fast 440 000 Neuzugänge. Vor einigen Jahren überwogen noch die Fortzüge gegenüber den Zuzügen. Der deutliche Zuwanderungsgewinn wird vor allem auf die Krise in den südlichen EU-Ländern zurückgeführt.

Bildung: Als Faustregel gilt, dass die Bildungsabschlüsse der Migranten höher ausfallen, wenn die Zuwanderung noch nicht so lange zurückliegt. Seit 2005 liegt der Akademikeranteil bei Zuwanderern sogar höher als in der einheimischen Bevölkerung. Von einer massenhaften Armutszuwanderung könne also keine Rede sein, heißt es in der Studie.
Allerdings wird das Potenzial der Hochgebildeteten offenbar noch viel zu wenig genutzt. So verfügen 47 Prozent der asiatischen Zuwanderer über Hochschulabschlüsse (Einheimische: 21 Prozent). Trotzdem liegt die Erwerbslosenquote der Migranten aus Fernost mit 13 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die der Deutschen (sechs Prozent).

Bei den türkischen Migranten liegen bei der Bildung die größten Probleme. Jeder fünfte aus der Türkei zugewanderte Mann und jede dritte Frau haben weder einen Schul-, noch einen Berufsabschluss. Auch die hier Geborenen mit türkischer Abstammung liegen in Sachen Bildung deutlich unter dem Durchschnitt der einheimischen Deutschen. Auch unter den Türkischstämmigen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren haben laut Studie 2010 nur 15 Prozent ein Gymnasium besucht. Unter den Einheimischen waren es 25 Prozent.

Gegenkonzepte: Im Bildungsbereich müssten sich die Lehrer deutlich stärker auf eine vielfältige Schülerschaft einstellen. Auch mangelt es aus ihrer Sicht an einer schlüssigen Integrationspolitik, die die Vorteile der Zuwanderung in den Vordergrund stellt. Die Forscher empfehlen, diese Politik beim Bundeswirtschaftsministerium anzusiedeln - statt wie bisher beim Innenminister.

Bevölkerungsentwicklung: Dieser lässt sich auch durch Einwanderung nach Deutschland allenfalls verlangsamen. Die Experten rechnen bis 2050 mit einem Rückgang der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter um etwa elf Millionen Menschen - vorausgesetzt, pro Jahr kommen im Saldo 200 000 Ausländer hier her. Auch die wachsende Alterung lässt sich durch Zuwanderung nur "abfedern", so die Forscher.

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