Viele Initiativen und einige Appelle

Viele Initiativen und einige Appelle

Der Rummel um die Weltklimakonferenz in Bonn ist vorbei. Greifbare Ergebnisse gibt es - manches blieb allerdings nur Schall und Rauch.

Bonn (KNA) Ein Gewinner der am Freitag beendeten Weltklimakonferenz in Bonn steht jetzt schon fest: dopper. Die niederländische Firma stellte die umweltfreundlichen Trinkflaschen zur Verfügung, die sich per Karabinerhaken an Gürteln und Rucksäcken befestigen ließen. Viele der rund 25 000 Delegierten sowie Journalisten und Vertreter Hunderter Nichtregierungsorganisationen nahmen das Angebot dankbar an, um während der manchmal doch recht trockenen Sitzungen stets einen Schluck Wasser griffbereit zu haben.
Zum Abschluss des zweiwöchigen UN-Treffens in der Bundesstadt am Rhein stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit dem Klimaschutz - ist die Flasche halb voll oder halb leer?
Bereits im Vorfeld stand fest: Die bisher vorgelegten nationalen Selbstverpflichtungen reichen nicht aus, um das im Pariser Klima-Abkommen von 2015 formulierte Ziel zu erreichen: den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Aktuell läuft es nach Ansicht von Experten auf um die drei Grad bis 2100 heraus. Das hieße: noch mehr Stürme, noch mehr Dürren, noch weniger Gletscher und noch weniger bewohnbare Inseln und Küstenstreifen.
Nicht nur für die Menschen in den betroffenen Regionen wäre das ein Desaster. Entsprechende Konjunktur hatten eher düstere Klimarankings, die während der Konferenz in Bonn vorgestellt wurden.
Lichtblicke gab es trotzdem. So konnten sich die Teilnehmer auf den Rahmen eines Regelbuchs zur praktischen Umsetzung des ab 2020 greifenden Pariser Abkommens verständigen. Es soll für Transparenz sorgen und etwa sicherstellen, dass sich die Selbstverpflichtungen der einzelnen Länder miteinander vergleichen lassen.
Bei den vor 2020 dringend notwendigen Nachbesserungen beim Klimaschutz gibt es zumindest so etwas wie Bewegung. Im kommenden Jahr soll es eine erste Bestandsaufnahme geben, die ein Augenmerk auf die Rolle der Industrieländer legt.
Die haben bislang am meisten CO{-2} in die Luft geblasen und werden sich, wie alle anderen Länder auch, baldmöglichst von den fossilen Energieträgern verabschieden müssen. Mit Spannung erwartet wurde deswegen auch die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch zum Auftakt der finalen Phase des Treffens. Doch die von vielen erhofften klaren Ansagen blieben aus. "Wir in Deutschland werden uns mühen." Das klang genauso freudlos und uninspiriert wie die Sondierungen zur Jamaika-Koalition in Berlin - die, allen Beteuerungen zum Trotz, damit sehr wohl Einfluss auf den Klimagipfel nahmen.
Auch die Reden der übrigen "High-Level-Speaker" wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und UN-Generalsekretär Antonio Guterres hinterließen einen eher faden Beigeschmack. Schilderungen der dramatischen Lage einerseits, wolkige Appelle und Allgemeinplätze andererseits. Lediglich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron überzeugte mit einer beherzten Ansprache und einem "Schlachtplan" im Kampf gegen den Klimawandel - und lief damit der "Klimakanzlerin" klar den Rang ab.
Lobende Worte fanden viele Teilnehmer dagegen für das ungewöhnliche Zusammenspiel zwischen Deutschland als "technischem Gastgeber" und Fidschi als Konferenzleiter. Das habe weitgehend reibungslos funktioniert. Der pazifische Inselstaat nutzte nach Kräften die Bühne in Bonn, um der Öffentlichkeit die Belange der vom Klimawandel besonders betroffenen Länder ins Bewusstsein zu bringen. Wie aber bereits entstandene Verluste und Schäden ausgeglichen werden, was aus dem chronisch unterfinanzierten Anpassungsfonds wird - das alles blieb in Bonn offen.
Stattdessen ermöglichte die riesige Zeltstadt in und um das ehemalige Regierungsviertel zahlreiche Begegnungen zwischen Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Promis wie Al Gore oder Arnold Schwarzenegger gaben sich die Ehre. Und nährten die Hoffnung, dass sich auf vielen Ebenen bereits Konkretes tut. Gegen Ende kam dann noch einmal ein Appell von Papst Franziskus, "den Willen zur Zusammenarbeit hochzuhalten". Vielleicht ein kleiner Seitenhieb auf die USA, deren Präsident Donald Trump aus dem Pariser Abkommen wieder aussteigen will.

Extra: DER TREIBHAUSEFFEKT UND DIE FOLGEN


Wesentlicher Faktor beim vom Menschen verursachten Treibhauseffekt ist der Rückgriff auf Kohle, Erdöl und Erdgas. Bei der Verbrennung dieser fossilen Energieträger gelangt zusätzliches CO{-2} in die Atmosphäre. Inzwischen sind 400 von einer Million Molekülen in der Atmosphäre Treibhausgasmoleküle. Vor der Industriellen Revolution lag dieser Wert bei 280 Teilen pro Million. Bereits jetzt stellen Wissenschaftler einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von circa 0,8 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau fest.