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Viele Menschen arbeiten zwar, verdienen aber zum Leben zu wenig

Viele Menschen arbeiten zwar, verdienen aber zum Leben zu wenig

Armes Deutschland: Die Schere zwischen Arm und Reich geht nach einer Studie des Paritätischen Gesamtverbandes immer weiter auseinander. Mehr noch: Ganze Regionen veröden, "das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit hat eine neue Qualität erreicht", meint Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.

Eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland macht der Paritätische Gesamtverband aus. Während Bayern und Baden-Württemberg der Entwicklung trotzen, geht es mit Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie dem Ruhrgebiet weiter bergab. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie viele Menschen sind arm?
Der Wohlfahrtsverband hat den EU-Standard angewendet. Demnach gelten Menschen als arm, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des vergleichbaren Durchschnittseinkommens beträgt. Bei einem Singlehaushalt sind das 869 Euro, bei einem Paarhaushalt mit zwei Kindern 1826 Euro. Laut Erhebung ist damit jeder siebte Einwohner einkommensarm. Die Quote liegt mit 15,2 Prozent auf einem Rekordniveau - 2006 waren es noch 14 Prozent.

Welche regionalen Unterschiede sind erkennbar?
Vergleichsweise niedrige Armutsquoten findet man in Baden-Württemberg (11,1 Prozent der Einwohner) und Bayern (11,2), gefolgt von Hessen (13,2) Schleswig-Holstein (14) und Rheinland-Pfalz auf Platz 5 (14,6). Im Mittelfeld liegen das Saarland (Platz 7, 15,8 Prozent), vor Niedersachsen (16) und Nordrhein-Westfalen (16,6 Prozent). Den Anfang bei den besonders hohen Armutsquoten macht im Ranking Brandenburg auf Platz 11 (18,3 Prozent), Berlin auf Platz 14 (21,2) vor Mecklenburg-Vorpommern (22,9) und Bremen (23,1). Fazit der Experten: Die Gruppe der stark betroffenen Länder ist im Vergleich zu 2011 gewachsen.

Welche Trends gibt es in den armen Ländern?
Nur in Berlin und Nordrhein-Westfalen ist Positives zu vermelden. Dort hat sich die Zunahme der Armut "entschleunigt". Soll heißen, in Berlin gab es nur einen marginalen Anstieg von 0,1 Prozent. In NRW stieg die Quote seit 2006 erstmals nicht mehr. Das einwohnerstärkste Land ist freilich das mit der größten Spaltung: Positiv ist die Entwicklung in Regionen wie Aachen oder Bielefeld. Im notleidenden Ruhrgebiet wächst die schon erhebliche Armut hingegen noch weiter.

Warum steigt die Armut?
Obwohl die Arbeitslosigkeit und auch die Zahl der Hartz-IV-Empfänger sinkt, gibt es laut Experten den Anstieg. Der Verband erklärt das mit der Ausdehnung des Niedriglohnsektors, dem Rückgang der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten sowie der Ausweitung der Teilzeitarbeit und der prekären Arbeitsverhältnisse in den vergangenen zehn Jahren. Kurzum: Mehr Menschen arbeiten zwar, verdienen aber zum Leben zu wenig. Das gilt vor allem für die ohnehin gebeutelten Regionen.

Was sagt die Bundesregierung?
Sie sieht eine gegenläufige Entwicklung. In ihrem letzten Reichtums- und Armutsbericht hatte die damalige schwarz-gelbe Regierung betont, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich schließe. Den Widerspruch erklärt der Verband unter anderem mit neueren Zahlen, die ihm vorlägen, und einer anderen "Interpretation" der Daten seitens der damaligen Koalition.
Weitere Infos unter
paritaet.orgExtra

Rheinland-Pfalz schneidet in Sachen Armutsgefahr im Vergleich der Bundesländer vergleichsweise günstig ab: Den Erhebungen des Statistischen Bundesamts für 2012 zufolge liegt das Land mit einer errechneten Gefahrenquote von 14,0 Prozent an fünftletzter Stelle. Damit liegt die Armutsgefahr in Rheinland-Pfalz unter dem Bundesdurchschnitt. red