Vieles ist offen

Nach dem Krippen-Vorstoß nun das Pflicht-Vorschuljahr für alle Kinder: Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen versucht mit Macht, die richtige Erkenntnis zu verbreiten, dass Familie und heile Welt nicht identisch sind.

Das ist löblich, weil zu viele immer noch daran glauben. Es gibt genügend Eltern, die nicht bereit oder in der Lage sind, Erziehungsverantwortung zu übernehmen. Für deren Kinder wäre ein verpflichtender Kindergarten- oder Vorschulbesuch das Beste. Vor allem dem Nachwuchs aus bildungsfernen Schichten und Migranten-Familien würden so bessere Chancen ermöglicht. Denn alles, was in frühen Jahren an gezielter Förderung versäumt wird, kann später nur mit Mühe und geringen Erfolgsaussichten nachgeholt werden. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Ein Pflicht-Vorschuljahr - was Ländersache wäre - müsste überprüft und bei Nichteinhaltung mit Strafen belegt werden. Fakt ist, dass es in Deutschland abschreckende Kita-Gebühren und komplizierte Anmeldeverfahren gibt, die nicht gerade einladend auf Eltern wirken. Wer übernimmt also die Kosten für das Pflichtjahr? Unklar ist auch, ob das Brückenjahr von den dafür kaum ausgestatteten Kitas oder von den überforderten Grundschulen übernommen werden soll. Und noch etwas: Schon jetzt gibt es zu wenige Plätze für die von der Ministerin anvisierte Altersgruppe. Das alles sind widerstrebende Aspekte und offene Fragen, auf die von der Leyen nun noch eine Antwort geben muss. nachrichten.red@volsfreund.de