Vielfalt statt Abhängigkeit

Bernie Ecclestone ist ein knallharter Verhandlungspartner. Der Boss des Formel-1-Zirkus schaut nicht groß auf Traditionen oder gewachsene Verbindungen. Das einzige, was für den windigen Engländer zählt, sind größtmögliche Einnahmen, gepaart mit der Zusage, dass es möglichst keine Werbe-Restriktionen für die Tabakindustrie gibt.

Bernie Ecclestone ist ein knallharter Verhandlungspartner. Der Boss des Formel-1-Zirkus schaut nicht groß auf Traditionen oder gewachsene Verbindungen. Das einzige, was für den windigen Engländer zählt, sind größtmögliche Einnahmen, gepaart mit der Zusage, dass es möglichst keine Werbe-Restriktionen für die Tabakindustrie gibt. Und die Latte der Länder, die sich ihr Stück vom Kuchen Formel 1 einverleiben wollen, wird immer länger. Vor allem in Asien scharren potente Geldgeber mit den Hufen. Realistisch gesehen ist es - trotz der Auto-Industrie im Rücken - nur eine Frage der Zeit, wann es nur noch ein Formel-1-Rennen in Deutschland geben wird.Da baut der Nürburgring klugerweise vor: Nicht allzu abhängig sein von der "Königsklasse" des Motorsports, sondern neue Wege gehen, lautet die Maxime. Das Pfund, mit dem der Eifel-Kurs und seine Verantwortlichen wuchern können, ist der Name, ist die Tradition, die Popularität. Welcher Firmen-Boss will nicht seine Produkt-Präsentation im Umfeld von Pferdestärken, Mobilität, Geschwindigkeit und Technik veranstalten? Unternehmen sind die eine neue Zielgruppe, Familien die zweite. Der in den 80-er Jahren geplanten Freizeitpark "Motorland" wurde ad acta gelegt, nun soll die "Erlebnisregion" eine neue Klientel locken, die eine Rundum-Spaß-Betreuung sucht und bei der Freizeit nun Event heißt.

Der Weg ist richtig, allerdings wird es den Herren des Rings, Walter Kafitz, und seine Mitstreiter eine Menge Arbeit kosten, potenzielle Investoren von dem Projekt zu überzeugen. Wenn auch der Bereich Freizeit-Industrie boomt, so locker sitzt das Geld auch nicht - und schließlich geht es insgesamt um 200 Millionen Euro.

Wenn aber die Vision zur Realität wird und die geplanten Besucherzahlen eintreffen, kann eine ganze Region aufatmen - denn ein wichtiges Stück Zukunft wäre dann gesichert. 500 neue Jobs in der strukturschwachen Eifel sind schließlich kein Pappenstiel. Und wenn 500 Jobs am Ring hinzukämen, würde dies für die Region weiteren Zuwachs an Arbeitsplätzen bedeuten. Und dann würde sich der Ring schließen, und müsste nicht dicht machen, wenn Bernie Ecclestone "Bye, bye" sagt.

b.pazen@volksfreund.de