Volltreffer!

Alles ist möglich. Wenn die handelnden Personen in der großen Koalition die Probleme beherzt und gemeinsam anpacken, dann gelingen Dinge, die vorher hoffnungslos schienen. Das ist die Botschaft der langen Nacht von Brüssel.

Was Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier beim Krisengipfel der Europäischen Union zusammen verhandelt haben, macht Lust auf mehr - auch für die innenpolitischen Projekte: mehr als eine Milliarde weniger Beitrag, 300 Millionen Euro Förderung mehr und dann noch ein psychologisch ungeheuer wichtiges 100-Millionen-Euro-Zugeständnis an Polen. Deutschland wurde in dieser für die Europäische Union so schwierigen Situation als Vermittler, als Brückenbauer, als sensibler Gesprächspartner wahrgenommen und eben nicht mehr als arroganter Großer, der sich um Sorgen und Nöte der Kleinen nicht schert. Es ist schon mehr als ein kleines Kunststück, das vor allem Angela Merkel bei ihrem ersten Gipfeltreffen gelungen ist. Natürlich war die Ausgangssituation günstig. Chirac, Blair und Berlusconi gingen allesamt angeschlagen in den Verhandlungsmarathon. Das aber schmälert die grandiose deutsche Verhandlungsleistung in keiner Weise. Denn die drei Herren sind eitle Pfaus und wer ihnen einen Kompromiss abtrotzen will, der muss auf der diplomatischen Klaviatur in allen Tonlagen spielen können. Angela Merkel hat das mit tatkräftiger Unterstützung von Frank-Walter Steinmeier geschafft. Damit sind längst nicht alle Probleme der EU gelöst, aber Europa ist aus seiner Lethargie erwacht, ist wieder handlungsfähig. Dieser außenpolitische Erfolg lässt auch innenpolitisch noch einiges erwarten. Gut möglich, dass diese große Koalition jetzt mutiger wird und beherzt die Probleme angeht, die dieses Land seit Jahren lähmen. Wie das gehen kann, haben Merkel und Steinmeier in Brüssel vorgemacht. Volltreffer! d.schwickerath@volksfreund.de