Vom Hahn aus ins Ebola-Gebiet

Fünf Hilfsflüge in die Ebola-Regionen Liberia und Sierra Leone hat die slowakische Frachtfluggesellschaft Air Cargo Global mit ihren auf dem Flughafen Hahn stationierten Maschinen unternommen. Am heutigen Freitag startet der nächste.

Lautzenhausen. Die Flüge seien schon etwas Besonderes. Anders jedenfalls als die, die er sonst fliege, sagt Martin Lehr. Er ist Chefpilot der slowakischen Frachtfluggesellschaft Air Cargo Global (ACG) Sie fliegt mit ihren Maschinen unter anderem vom Flughafen Hahn aus. Die Flüge, die der Chefpilot mit "etwas Besonderem" meint, sind die Flüge nach Liberia und Sierra Leone. In den beiden westafrikanischen Ländern breitet sich derzeit rasant das Ebola-Virus aus. Über 2000 Menschen sind allein in diesen beiden Ländern bereits daran gestorben. ACG fliegt seit fünf Wochen im Auftrag des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) Hilfsflüge in die Gebiete. Auf bislang fünf Flügen mit einem zum Frachtflieger umgebauten Passagierjet vom Typ Boeing 747-400SF seien unter anderem jeweils bis zu 100 Tonnen medizinisches Material wie Einweghandschuhe oder Desinfektionsmittel und 16 Geländewagen für die Helfer vor Ort transportiert worden, sagt Lehr. Das Flugzeug starte leer vom Flughafen Hahn ins dänische Billund. Dort befindet sich das Lager von Unicef. Von dort aus geht der Flug dann sechs Stunden lang nach Liberia. Die Besatzung bestehe in der Regel aus drei, manchmal sogar vier Piloten, zwei Technikern und zwei Lademeistern. Durch die zwei Pilotenteams könne gewährleistet werden, dass man direkt nach dem Entladen, das rund zwei Stunden dauere, direkt wieder zurückfliegen könne - und so nicht übernachten müsse, sagt Lehr. Dadurch soll das Risiko verringert werden, sich mit Ebola zu infizieren. Deswegen seien auch Techniker und Ersatzteile an Bord. Im Falle einer Panne könnten diese dann die Teile austauschen und das Flugzeug schnell reparieren. Damit sollten der Kontakt zu Einheimischen möglichst verhindert und die Standzeit des Flugzeugs verringert werden, sagt der Chefpilot. Die Besatzung trage nach der Landung sicherheitshalber Mundschutz. Er selbst sieht das Risiko, sich mit Ebola anzustecken, eher als gering an.Strenge Sicherheitsvorkehrungen


Man halte sich streng an die Sicherheitsvorgaben des für die Gesundheitsüberwachung in Deutschland zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI). Das warnt davor, mit Blut oder Körperflüssigkeiten von Patienten oder Ebola-Toten in Kontakt zu kommen. Lehr geht nicht davon aus, dass Infizierte an den Flughäfen arbeiteten. Trotzdem habe er immer ein ungutes Gefühl, wenn er in die betroffenen Gebiete fliege. Und dann komme noch die Anstrengung des Fluges hinzu. Mitunter seien sie bis zu 20 Stunden unterwegs, bis sie wieder auf dem Hahn landeten.
Am Freitag startet von dort der nächste Flug. Dieses Mal im Auftrag der britischen Regierung, die mit einem der Frachtflieger Hilfsgüter in das Ebola-Gebiet bringen will.Extra

In den USA ist der weltweit erste Ebola-Fall außerhalb Afrikas diagnostiziert worden. Der Patient sei vor etwa zehn Tagen aus dem westafrikanischen Liberia eingereist, teilte der Leiter der US-Gesundheitsbehörde, Thomas Frieden, mit. Der Erkrankte liege auf der Isolierstation einer Klinik in Dallas (US-Bundesstaat Texas). Weitere Verdachtsfälle gibt es laut Frieden in den USA derzeit nicht. dpa