Vom König zum Kandidaten

"König Kurt" titelten die Zeitungen, nachdem die von Kurt Beck angeführte SPD vor zweieinhalb Wochen die rheinland-pfälzische Landtagswahl für sich entschieden hatte. "König Kurt", weil es vor allem das Verdienst des seit 1994 amtierenden populären Ministerpräsidenten war, dass die Sozialdemokraten in einem eher konservativ geprägten Bundesland erstmals sogar die absolute Mehrheit holten.

Balsam auf die Seele einer Partei, die bei Landtagswahlen zuletzt von Niederlage zu Niederlage gestolpert war. Unvergessen der SPD-Machtverlust in Nordrhein-Westfalen vor einem Jahr, die daraus letztlich resultierenden Bundestagsneuwahlen, die Schlappe Kanzler Schröders und der Wechsel an der SPD-Spitze von Müntefering zu Platzeck. Dass der Rheinland-Pfälzer dem Brandenburger im November den Vorzug ließ und sich mit einem herausgehobenen Vize-Posten begnügte, war rückblickend genau die richtige Entscheidung: Als amtierender SPD-Bundesvorsitzender hätte Kurt Beck bei den Landtagswahlen die absolute Mehrheit nie erreicht. So aber belohnten die rheinland-pfälzischen Wähler Ende März auch die Bodenständigkeit "ihres" Landesvaters. Der erreicht nun im zweiten Anlauf, worauf er im ersten noch verzichtete: Kurt Beck wird auf dem außerordentlichen SPD-Parteitag am 14. Mai auch offiziell zum Platzeck-Nachfolger und damit zwölften SPD-Bundesvorsitzenden nach dem Krieg gewählt werden. Die Zustimmung der Delegierten wird ähnlich hoch sein wie vor fünf Monaten, als der Pfälzer mit über 92 Prozent als Partei-Vize bestätigt wurde. Der Sohn eines Maurers und gelernte Elektromechaniker verkörpert in einer sich rasant wandelnden Welt noch typisch sozialdemokratische Tugenden. Wenn Kurt Beck von der Putzfrau redet, die genauso wichtig sei wie der Generaldirektor, oder dem Dachdecker, der mit 67 Jahren nicht mehr aufs Dach steigen könne, klingt das bei ihm in Zeiten von Diskussionen über Globalisierung oder Lebensarbeitszeitverlängerung nicht aufgesetzt, sondern glaubwürdig. Keine Frage, dass mit seiner Wahl an die Spitze der SPD auch die Kanzlerkandidatenfrage entschieden ist. Kurt Beck wird 2009 der Herausforderer von Angela Merkel sein. Jede neuerliche Personaldiskussion würde die sich nach Ruhe an der Führungsfront sehnende Partei vor eine Zerreißprobe stellen. In seiner Heimat Rheinland-Pfalz wird Kurt Beck den dann ohnehin anstehenden Wechsel bei den übernächsten Vorstandswahlen in zwei Jahren einläuten. Als Landesvorsitzende(r) wird ihn dann eine(r) seiner beiden jüngeren Vize beerben: Bildungsministerin Doris Ahnen oder der designierte Multi-Minister Hendrik Hering. Eine Vor-Entscheidung auch für die Ministerpräsidenten-Nachfolge in spätestens fünf Jahren. r.seydewitz@volksfreund.de