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Umwelt
Von der Glühbirne bis zum Staubsauger

 Eine Frau saugt mit einem Staubsauger den Fußboden eines Kinderzimmers. Dabei soll sie nach dem Willen der EU-Kommission auf absehbare Zeit deutlich weniger Energie verbrauchen.
 Eine Frau saugt mit einem Staubsauger den Fußboden eines Kinderzimmers. Dabei soll sie nach dem Willen der EU-Kommission auf absehbare Zeit deutlich weniger Energie verbrauchen. FOTO: dpa / Tobias Hase
Brüssel. Die EU prüft neue Verbote für Energieschleudern wie Handföhne und Aufzüge. Jeder Haushalt soll im Schnitt 490 Euro im Jahr sparen. Von Markus Grabitz

Brüssel prüft gerade, bei welchen neuen Produktgattungen Obergrenzen für den Energieverbrauch eingezogen werden sollen. Laut Arbeitsprogramm der EU-Kommission bis 2019 sind dabei sieben Gerätefamilien im Blick, darunter Handföhne, Wasserkocher, Personenaufzüge, Solarpaneele und Hochdruckreiniger. Zudem soll die Regulierung bei zahlreichen anderen Produktgattungen überprüft und womöglich verschärft werden, bei denen die EU bereits Energieschleudern verboten hat wie etwa bei den Staubsaugern.

Auch bei lokalen Heizlüftern steht bis 2019 eine Überprüfung der Vorschriften zum maximalen Energieverbrauch an. Mit den neuen Maßnahmen und der Verschärfung von bisherigen Vorschriften will die Kommission dazubeitragen, dass jeder Haushalt bis 2020 im Schnitt 490 Euro im Jahr Energiekosten spart.

Das Verbot von neuen Glühbirnen mit hohem Verbrauch, Vorschriften zu Kilowattobergrenzen für Staubsauger oder dem maximalen Verbrauch von Fernsehgeräten im Stand-by-Modus – seit 2009 erlässt die EU Vorschriften zum sogenannten Ökodesign von Produkten. Mittlerweile wurden für 30 Produktgattungen Vorschriften erlassen, darunter sind ebenso Elektromotoren, Fernsehgeräte, Waschmaschinen und Trockner, Aircondition-Geräte und Ventilatoren für den Hausgebrauch. Die EU fängt sich für die Vorschriften regelmäßig viel Ärger ein. Viele Bürger wollen sich von Brüssel nicht vorschreiben lassen, welche Produkte sie kaufen sollen. In vielen Haushalten wurden Vorräte von Glühbirnen angelegt.

Für Populisten ist das Brüsseler „Ökodesign“ von Produkten immer wieder eine Gelegenheit, Stimmung gegen die EU zu schüren. Dabei verfolgt die EU damit durchaus einleuchtende Ziele: Die Vorschriften tragen dazu bei, dass zunehmend energieeffiziente Produkte in die Hände der Verbraucher kommen. Dadurch wird zum einen viel Energie gespart, außerdem verhilft Europa den Verbrauchern dazu, weniger Geld für Strom und fossile Brennstoffe ausgeben zu müssen.

Die Erfolge können sich durchaus sehen lassen: Die Regulierung durch die EU bei Leuchtmitteln hat laut Berechnungen der EU-Kommission dazu geführt, dass allein im Jahr 2015 so viel Strom gespart wurde, wie Estland in einem Jahr verbraucht.

Bis 2020 soll die eingesparte Strommenge dem Jahresverbrauch von Portugal entsprechen.

Bis die EU neue Vorschriften erlässt, die dazu führen, dass Geräte, die besonders viel Energie fressen, nicht mehr vom Handel verkauft werden dürfen, sind mehrere Schritte notwendig: Zunächst identifiziert die EU-Kommission mögliche Kandidaten. Dann werden Handel, Hersteller und Verbraucher um ihre Meinung gebeten. Experten nehmen danach eine Abschätzung vor, welche finanziellen Folgen neue Obergrenzen für den Verbraucher und den Energieverbrauch haben. Es ist auch nicht so, dass die EU-Kommission über neue „Ökodesign“-Vorschriften entscheidet. Sie schlägt sie vor. Danach sind die beiden Co-Gesetzgeber der EU gefragt: Das EU-Parlament muss mit Mehrheit neuen Vorschriften zustimmen, und  ebenso sind die Regierungen der Mitgliedstaaten gefragt. Regelmäßig erfahren dann die Vorschläge der Kommission in mehreren Verhandlungsrunden mit dem Parlament und den Regierungen der Mitgliedstaaten noch gravierende Änderungen, bis sie EU-weit gelten.

Um den Verbrauchern zudem eine Orientierungshilfe beim Kauf von neuen Geräten zu geben, schreibt die EU zudem dem Handel vor, den Energieverbrauch der Geräte verständlich zu kennzeichnen. Dafür ist eine Skala von A bis G vorgesehen.