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Von einem Baron und dem Prinz vom Cyberbunker

Bunker : Von einem Baron und dem Prinz vom Cyberbunker

Einer der Angeklagten im Trierer Bunkerprozess setzt seine detailreiche Aussage fort. Doch so richtig spannend ist es nicht.

Es ist mühsam, ihm zuzuhören. Wenn er von Hunden erzählt, die eigentlich keine Jungen bekommen können und dann doch Welpen bekommen. Wenn er davon erzählt, wie er im Auftrag seines Chefs im Internet billige Gebrauchtmöbel verkauft. Es ist größtenteils eine Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten, die der 50-jährige Niederländer auch am zweiten Tag seiner detailreichen Aussage vor dem Trierer Landgericht erzählt. Er ist einer von acht Angeklagten im sogenannten Bunker-Prozess. Ihnen wird vorgeworfen, in einem ehemaligen Militärbunker in Traben-Trarbach illegale Webseiten von Kriminellen gehostet zu haben. Die Anklage wirft der Bande Beihilfe zu fast 250 000 Straftaten vor.

Und weil die Vorwürfe so schwerwiegend sind und der stellenweise naiv wirkende 50-Jährige so etwas wie ein Manager in dem Cyberbunker gewesen sein soll, sind es manchmal auch belanglos klingende Aussagen, die sich dann nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Etwa wenn er von einer App erzählt, die sein Boss, der Besitzer des Bunkers Herman Johann X., entwickelt hat und über die die Kommunikation der Mitarbeiter abgelaufen sei. Die App sei „supersicher“ gewesen und nicht abhörbar, sie sei auch nur auf bestimmten Smartphones gelaufen, die er im Auftrag von X. habe in den Niederlanden kaufen müssen, sagt der 50-Jährige. Warum denn die Kommunikation darüber gelaufen sei, will Richter Günther Köhler wissen. Ein plausible Antwort bleibt der Angeklagte, wie so oft, schuldig. X. habe halt „nie telefoniert“, sagt er nur. Aber dass darüber über kriminelle Machenschaften kommuniziert worden sein könnte, das könne er sich nicht vorstellen.

Auch als er mit X. in die Niederlande fährt, um dort in einem Rechenzentrum etliche Server, die angeblich X. gehörten, abzumontieren und nach Traben-Trarbach zu bringen, will der 50-Jährige nicht misstrauisch geworden sein. Selbst als X. ihm gesagt habe, das müsse geheim bleiben, habe er das nicht hinterfragt. Ohne zu hinterfragen, hat er auch mehrmals insgesamt 17 000 Euro im Auftrag von X. zunächst auf sein eigenes Konto eingezahlt und es von dort auf ein Konto des mutmaßlichen Kopfes der Bunkerbande überwiesen.

Unklar, ob der Angeklagte tatsächlich so gutgläubig war oder ob er seine Rolle in der Bande und die mutmaßlichen illegalen Geschäfte bewusst herunterspielen will. Es sei nie über Kunden gesprochen worden, Firmennamen seien nie genannt worden, behauptet er. Auch nicht als ihm X. einmal  eine linksradikale Webseite gezeigt habe, die ein neuer Kunde des Cyberbunker über die Server gehostet habe. Er habe sich nicht dafür interessiert, meint er nur. Genauso berichtet er über regelmäßige Besuche eines „Drogenbarons“ aus Irland in der Bunkeranlage. Dieser soll ein guter Bekannter von X. gewesen sein. Über was X. und der Ire geredet haben, wisse er nicht, behauptet der 50-Jährige. Auch in welcher Beziehung X. zu einem mutmaßlichen Internetkriminellen gestanden hat, der eine Zeitlang im Bunker gewohnt habe und sich dort als Prinz vom Cyberbunker ausgegeben habe, wisse er nichts. Der habe aber die Idee gehabt, aus dem Rechenzentrum einen sogenannten Bulletproof-Hoster zu machen, die Server also vor Zugriffen der Ermittler zu schützen. Er habe aber immer gesagt, dass es im Bunker „nichts Illegales“ geben dürfe, sagt der Angeklagte. Am Montag will er sich zu weiteren Details äußern.