Von Schweine-Ohren und Kormoranen

Von Schweine-Ohren und Kormoranen

IN DER POLITIK geht es manchmal tierisch zu. Zum Beispiel, wenn es sich um Schweine-Ohren dreht. Es gibt ja Leute, die sie getrocknet mögen, und die können jetzt der Mehrwertsteuererhöhung gelassen entgegensehen.

Das Bundesfinanzministerium hat nach "Erörterung mit den obersten Finanzbehörden der Länder" Klarheit geschaffen: Für genießbare, getrocknete Schweineohren ("Schlachtnebenerzeugnis") gilt künftig weiterhin der ermäßigte Steuersatz (sieben Prozent), für ungenießbare getrocknete Schweineohren ("Schlachtnebenerzeugnis") gelten 19 Prozent ab 2007. Endlich eine Regelung, die "klaren Prinzipien" folgt, spottete FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms. UND ÜBERHAUPT, Kormorane, mit dem Federvieh beschäftigte sich die Politik in dieser Woche auch. Oder anders: Die FDP. Die Liberalen verlangen nämlich von der Bundesregierung, dass sie die Neuansiedlung und Neugründung von Kormoran-Kolonien verhindert. Mit einem Vogeleinsatz der Bundeswehr? Mit dem KSK? Viel einfacher: Dazu müsse sich die Regierung für ein "europaweites Kormoran-Management" einsetzen, was immer das auch ist, beziehungsweise, wie immer das auch geht. Nun könnte man meinen, diese FDP, im Umfragerausch sind noch nicht einmal die Kormorane vor ihr sicher. Weit gefehlt, die Vögel sorgen für einen jährlichen Verlust an Fischen von mehr als 20 000 Tonnen. Potzblitz. Und Berufs- und Angelfischer sind auch nur Wähler.PFUSCH AM BAU? Das erregt zurzeit die Gemüter in Berlin. Knapp fünf Jahre nach Fertigstellung werden die prächtigen Abgeordnetengebäude schon wieder saniert: Am Paul-Löbe-Haus erhält die Sichtbetonfassade einen neuen Anstrich für 850 000 Euro, am Jakob-Kaiser-Haus müssen 450 Fenster erneuert werden, weil sich die Sonnenschutzjalousien zwischen den beiden Scheiben der Doppelverglasung nicht mehr regulieren lassen. 2,5 Millionen kostet der Spaß. Betroffen sind übrigens auch die Büros von SPD-Fraktionschef Peter Struck und Unionsfraktionschef Volker Kauder. Vielleicht schärfen die neuen Scheiben ja auch den Blick auf großkoalitionäre Gemeinsamkeiten.GREGOR GYSI ist ziemlich klein, trägt Glatze, ist also nicht unbedingt der Prototyp Mann, den sich so manche Frau wünscht. Und auch als Politiker hat man mit diesen Merkmalen anscheinend nicht allzu große Chancen. Der Linksfraktionsvorsitzende ließ jetzt wissen, dass er den Grund für seine guten rhetorischen Fähigkeiten in seiner Körpergröße sieht: "Kleine Männer haben nur verbal eine Chance", so Gysi. Ihm sei schon früh klar gewesen, dass er halt immer besser reden müsse als alle anderen.Hagen Strauß