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Vorläufig kein Showdown am Cannonball River - Pipelinebau in North Dakota steht still - Indianer danken Obama

Vorläufig kein Showdown am Cannonball River - Pipelinebau in North Dakota steht still - Indianer danken Obama

In North Dakota ist ein umstrittenes Pipelineprojekt vorerst zum Stillstand gekommen. Das Weiße Haus veranlasste, dass es keine Lizenz für den Bau der Leitung gibt, gegen die mittlerweile 5000 Indianer, Umweltschützer und Armeeveteranen in einem Camp am Cannonball River demonstrieren.

Dave Archambault spricht von einer "historischen Entscheidung", für die er Barack Obama ein Leben lang dankbar sein werde. Der Präsident habe Courage bewiesen, indem er den Lauf der Geschichte korrigierte, jubelt der Vorsitzende des Rates der Standing Rock Sioux, eines in einem Reservat in North Dakota lebenden Indianerstamms. Nüchtern betrachtet, ist es allerdings nur ein Etappensieg, den Archambault so euphorisch feiert.

Angewiesen vom Weißen Haus, hat das Ingenieurkorps der US-Armee entschieden, einer Pipeline in North Dakota auf einem ökologisch bedenklichen Abschnitt am Missouri River die Lizenz zu verweigern. Damit dürfen unter dem Lake Oahe, einem Stausee am Rande des Indianerreservats, keine Tunnel gebohrt werden, durch die dereinst die Röhren verlaufen. Stattdessen sollen alternative Routen geprüft werden. Zunächst einmal bedeutet es die schlagartige Entspannung einer Lage, die auf eine gefährliche Eskalation zusteuerte. Die drohende Zwangsräumung eines Lagers, in dem zuletzt über 5000 Demonstranten die Nächte in Zelten verbrachten, ist damit vorerst vom Tisch.

Noch am Wochenende waren Armeeveteranen zu Hunderten in dem Camp eingezogen und hatten angekündigt, eine menschliche Mauer zu bilden. Nun quittiert Archambault die De-Eskalation mit einem Satz, der seine Erleichterung spüren lässt. "Wir können nach Hause gehen, um im harten Winter bei unseren Familien zu sein, statt draußen in der Kälte zu stehen."

Seit April hatten Indianer und Umweltschützer in dem Lager in der Nähe von Cannon Ball, einem Dorf in der Prärie North Dakotas, ausgeharrt, unterstützt von Prominenten wie Popsängerin Alicia Keys. "Sieg für Standing Rock! Sieg für uns alle!", schrieb Keys in einem Tweet, nachdem das Army Corps of Engineers dem Projekt rotes Licht signalisierte. Dazu zitierte sie eine berühmte indianische Weisheit: "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen, der letzte Fluss vergiftet ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann". Immer wieder war es rings um das Camp der Demonstranten zu Zusammenstößen gekommen. Als die Polizei bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Wasserwerfer einsetzte, wurden 150 Menschen verletzt. Alles schien auf einen Showdown zuzulaufen: Eine Zeit lang drohten die Behörden mit der Auflösung des Zeltlagers, falls die Protestierenden es bis zum 5. Dezember nicht freiwillig verlassen würden.

Durch die sogenannte Dakota Access Pipeline soll einmal Rohöl aus dem Nordwesten North Dakotas nach Illinois im Mittleren Westen gepumpt werden, aus Fördergebieten wie der Bakken-Formation, die in großem Stil erschlossen werden, seit die Ölindustrie dort die Fracking-Methode anwendet. Bis zu 550 000 Barrel sollen täglich durch die Pipeline fließen, über eine Länge von 1885 Kilometern. Dort, wo der Cannonball River in den Missouri mündet, streift die geplante Trasse ein Stück Land, das den Sioux-Indianern heilig ist. Vor allem aber fürchten die Ureinwohner ebenso wie alarmierte Umweltschützer, dass die Wasserreservoirs in der Nähe der Pipeline verseucht werden, wenn Öl aus undichten Stellen der Leitung austritt. Dagegen argumentiert der Pipeline-Betreiber, das texanische Unternehmen Energy Transfer Partners, im Boden vergrabene Rohre seien allemal sicherer als die Tanklastzüge, die derzeit das Öl abtransportieren.

Auch wenn Bill McKibben, einer der führenden Umweltaktivisten Amerikas, nunmehr von einem möglichen Wendepunkt spricht, bleibt wohl für ein paar Monate in der Schwebe, was am Lake Oahe geschieht. Donald Trump, der am 20. Januar seinen Amtseid leistet, hat im Wahlkampf mehrfach betont, dass er die Pipeline unterstützt. Im Gegensatz zu Obama, der alternative Energien nach Kräften förderte, verspricht der Milliardär eine Renaissance der Kohlebergwerke ebenso wie einen Boom der Ölbranche. Außerdem gehört er zu den Aktionären von Energy Transfer Partners: Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP besaß er im vergangenen Jahr Aktien des Pipeline-Unternehmens im Wert von 15 000 bis 50 000 Dollar. Kelcy Warren, der Chef der Firma, hat der Trump-Kampagne wiederum opulente Spendenschecks ausgestellt. Eine neue Route, stellt er klar, komme für ihn nicht infrage. Warren baut darauf, dass ein Präsident Trump es ähnlich sieht.