Wadenbeißen in eigener Sache

BERLIN. Personalfragen lassen die Union nicht ruhen. Während die CSU gestern ihr Reformkonzept vorstellte (siehe Hintergrund), ritt dieSchwesterpartei scharfe Attacken gegen den CSU-Sozialexperten Horst Seehofer.

CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer kam gestern extra mit zur Pressekonferenz seiner Vorsitzenden Angela Merkel, um sich endlich mal wieder als "Wadenbeißer" zu betätigen. Jedoch nicht gegen den politischen Gegner, wie man meinen könnte. Schließlich hatte der SPD-Kanzler während seiner Parteitagsrede in Bochum die Union kurz zuvor scharf angegriffen. Ziel von Meyers Attacken war vielmehr jemand, der Mitglied der eigenen Bundestagsfraktion ist, aber das Parteibuch der Schwester CSU trägt: Horst Seehofer. Wenn der Bayer so weiter mache, drohte der General in deftigem Ton, müsse er sogar damit rechnen, seine Kompetenzen in der Sozialpolitik zu verlieren. Starker Tobak. Die CDU-Spitze ist es leid, ständig von Seehofer attackiert zu werden. Dem ehemaligen Minister graut es nämlich besonders vor dem Gesundheitskonzept der Christdemokraten und dem damit verbundenen, einkommensunabhängigen Prämienmodell in der Krankenversicherung. Und daraus macht Seehofer halt nur ungern einen Hehl. "Großer Unwillen", hieß es nach der gestrigen Sitzung von Vorstand und Präsidium der CDU, habe deshalb bei den Teilnehmern über ständige Angriffe des Sozialexperten geherrscht. Das sei "unerträglich", so Meyerdrastisch, und "nur noch polemisch". Sowieso steht Seehofer seit seinem harten Konfrontationskurs vor einigen Wochen in Sachen Zahnersatz und dessen Ausgliederung aus dem Leistungskatalog bei der CDU-Führung nicht mehr sonderlich hoch im Kurs.Hoffen auf ein Machtwort Edmund Stoibers

Manch einer in Berlin erhofft sich endlich ein Machtwort von Edmund Stoiber in München gegenüber seinem Stellvertreter als CSU-Chef. Nur: Es knirscht grundsätzlich zwischen den beiden C-Parteien, wenn es um die Frage geht, wie die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme aussehen soll. Konzepte beider Seiten liegen auf dem Tisch, und sie werden gegenseitig vielfach mit Skepsis bis Ablehnung begutachtet. Neuestes Beispiel ist das gestern von Stoiber vorgestellte Rentenpapier der CSU mit höheren Beiträgen für Kinderlose (siehe Hintergrund) - es stößt in der CDU auf heftigen Widerstand. Ein "Abgleich" (Merkel) der unterschiedlichen Pläne soll nun erst nach dem CDU-Parteitag in Leipzig in 14 Tagen stattfinden. Friede, Freude, Eierkuchen ist dabei nicht zu erwarten.

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