Wahlkampf in den Arztpraxen

Unzufriedenheit mit der Arbeit der hauptamtlichen Ärztefunktionäre in Rheinland-Pfalz: Im Wahlkampf für das neue Ärzteparlament geht es in erster Linie um Kritik an der Arbeit der Vorstände der Kassenärztlichen Vereinigung (KV).

Die drei derzeitigen KV-Vorstände wollen ins neue Ärzteparlament gewählt werden: (von links) Günter Gerhardt, Michael Siegert (Hausarzt in Trier) und Sigrid Ultes-Kaiser. TV-Fotos: Archiv.

Trier. Wahlkampf in den Arztpraxen: Am Mittwoch wird die neue 40-köpfige Vertreterversammlung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten gewählt. Die Versammlung gilt als Parlament der Mediziner. Zum ersten Mal nach der Fusion der zunächst vier kassenärztlichen Vereinigungen zur KV Rheinland-Pfalz vor sechs Jahren wird die Versammlung von allen rund 7000 niedergelassenen Medizinern und Psychotherapeuten gewählt. Bis dahin wurden in den jeweiligen KV-Bezirken (Trier, Koblenz, Mainz und Neustadt) eigene Vertreterversammlungen gewählt.

Vielleicht erklärt das die ungewöhnlich hohe Zahl der Kandidaten und Listen. 264 Kandidaten, zusammengeschlossen in 13 Listen, bewerben sich für 40 Plätze (36 gehen an Ärzte, vier an Psychotherapeuten). Unter den Kandidaten sind auch die drei derzeitigen KV-Vorstände, Günter Gerhardt, Sigrid Ultes-Kaiser und Michael Siegert (Hausarzt aus Trier).

Betrachtet man sich die Wahlprogramme einzelner Listen, zeigt sich Unzufriedenheit mit der Arbeit des vermutlich noch bis Januar amtierenden Vorstandes. So heißt es beim Ärztenetzwerk Medi Südwest, bei dem der Trierer KV-Vorstand Siegert als Spitzenkandidat antritt, die KV müsse wieder Instrument der Ärzte werden und nach innen "geschlossen und konstruktiv" arbeiten. Außerdem will Siegert, der bei der Vorstandswahl wieder antreten will, neben zwei Ärzten zusätzlich einen Kaufmann oder einen Juristen als Vorstandsmitglieder. Das Netzwerk, dem in der Region Trier zahlreiche niedergelassene Ärzte angehören, fordert, dass die KV nicht alle bereits bestehenden, von Vereinen getragenen Bereitschaftsdienstzentralen wie etwa in Trier und Saarburg wieder auflöst. Genau dafür tritt aber das aus der Pfalz stammende KV-Vorstandsmitglied Ultes-Kaiser ein. Die Bereitschaftsdienstzentralen, die den hausärztlichen Notdienst am Wochenende und an Feiertagen übernehmen, sollen alle wieder unter das Dach der KV, fordert die Anästhesistin, die für die Facharztliste antritt.

Es ist wohl nicht das erste Mal, dass es zu Konflikten im dreiköpfigen KV-Vorstand gekommen ist. Die Ärzte-Zeitung berichtete kürzlich von einem zerrütteten Verhältnis der drei Mediziner, die "kaum noch miteinander kommunizieren".

Nicht unumstritten ist auch KV-Vorsitzender Gerhardt. Ärzte werfen dem 63-Jährigen, der vor allem als "Fernseh-Doc" etwa im ZDF bekannt wurde, Populismus und wenig Durchsetzungsvermögen vor.

Gegner von Gerhardt ist der Prümer Arzt und Landesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Burkhard Zwerenz. In Rundschreiben wirft der Allgemeinmediziner dem KV-Vorstand Unprofessionalität vor. Zwerenz tritt als Spitzenkandidat des Hausärzteverbandes an.

Extra Mehr Vorsorge: Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will nach jahrelangen Debatten eine neue Initiative für mehr Gesundheitsvorsorge in Deutschland starten. "Dazu braucht es kein neues Präventionsgesetz, wohl aber eine Präventionsstrategie", sagte Rösler. Im Kern sollen niedergelassene Ärzte für Prävention besser bezahlt und die Gesundheitsvorsorge in deutschen Unternehmen gestärkt werden. Krankenkassen warnten davor, den Ärzten noch mehr Geld zahlen zu müssen. (dpa)