Warnung vor dem falschen Freund Pegida

Warnung vor dem falschen Freund Pegida

Nach der Anschlagserie von Paris schauen sowohl Überlebende als auch die französische Regierung besorgt auf die deutsche Pegida-Bewegung. In Frankreich fällt vor allem der Front National mit islamfeindlichen Parolen auf. Doch offiziell äußerte sich die rechtspopulistische Partei noch nicht zu Pegida.

Sie haben über Pegida geredet, bevor sie gestorben sind. Die Mitarbeiter von "Charlie Hebdo" sprachen auf ihrer letzten Redaktionssitzung vor einer Woche über die deutsche Bewegung, bevor zwei Attentäter in die Räume stürmten und zehn Journalisten töteten. Die Schilderung der Überlebenden Sigolène Vinson in der Zeitung "Le Monde" zeigt, dass die Demonstrationen in Dresden auch in Frankreich nicht mehr unbemerkt vorbeigehen. Vor allem nach den Anschlägen der vergangenen Woche schauen die Franzosen mit Sorge nach Dresden. Zeitungen und Fernsehsender berichten regelmäßig über die Demonstrationen. "Pegida will aus den Anschlägen in Frankreich Profit ziehen", schreibt das Magazin "Le Point".

"Überall in Europa wächst die Angst vor dem Islam und der Fanatismus", sagte Regierungschef Manuel Valls am Tag nach dem tödlichen Angriff auf "Charlie Hebdo". "Der Front National liegt in Umfragen vorn, die Deutschen demonstrieren gegen die Muslime", zeigte sich der Sozialist besorgt. Der rechtspopulistische Front National (FN) hetzt regelmäßig gegen die in Frankreich lebenden fünf Millionen Muslime. Nach den Attentaten von Paris forderte FN-Chefin Marine Le Pen "offene Worte" gegen islamische Fundamentalisten.

"FN hat nicht die Absicht, Pegida zu werden"

Einen Schulterschluss mit den Organisatoren der Pegida-Demonstrationen vermeidet Le Pen aber bisher. Der FN, der bei der Europawahl in Frankreich stärkste Partei wurde, äußerte sich nicht offiziell zu der Bewegung. Le Pens Berater Ludovic de Danne sagte lediglich im Radiosender Europe 1: "Die von Pegida angestoßene Debatte ist sehr wichtig." Allerdings könne die Gruppierung keine Partei wie den FN ersetzen. "Die Absicht des FN ist es nicht, Pegida zu werden." Inhaltlich gehe die Partei über das Thema Islamismus hinaus: "Wir widmen uns auch anderen wichtigen Themen."

Dafür hat die Gruppierung "Riposte laïque" für Sonntag in Paris zu einer Islam-feindlichen Demonstration aufgerufen unter dem Motto "Islamisten raus aus Frankreich". Drei ihrer Mitglieder waren am Montag auch bei der Dügida-Demonstration in Düsseldorf dabei und wurden dort laut der Internet-Seite der Organisation eifrig beklatscht. Am Sonntag soll die Bogida-Initiatorin Melanie Dittmer in Paris sprechen. In Düsseldorf legten die Demonstranten eine Schweigeminute für die Opfer von "Charlie Hebdo" ein, deren Attentäter sich zu Al Kaida und damit zum radikalen Islam bekannt hatten.

"Charlie Hebdo" gegen falsche Freunde

Doch dass die Islamfeinde nun versuchen, den Anschlag für ihre Zwecke auszunutzen, passt den Überlebenden gar nicht. "Charlie Hebdo"-Zeichner Willem warnte vor den falschen Freunden, die sich nach dem tödlichen Angriff zu Wort meldeten. Er setzte seine Unterschrift unter einen Ap pell französischsprachiger Zeichner gegen Pegida . "Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Sie sind nichts Anderes als Aasgeier", steht in der Botschaft, die mit den Worten endet "Pegida verschwinde".