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Warum die Region plötzlich wieder an die Zukunft der Airbase Spangdahlem glaubt

Militär : Keine Angst vor dem „Trumpeltier“: Wie die Region auf den Truppenabzug reagiert

Warum die Region plötzlich wieder an eine Zukunft der Airbase Spangdahlem glaubt und warum Umweltschützer das kritisch sehen.

Geht es um die Zukunft der Eifeler Airbase Spangdahlem, trägt der Eifeler CDU-Politiker Michael Billen ein unerschütterliches Selbstvertrauen vor sich her. Tweets von Donald Trump, den Billen gerne das „Trumpeltier“ nennt, schrecken ihn da nicht. „Das ist doch nur Wahlkampf“, sagt der Landwirt über die Pläne von US-Präsident Donald Trump, Soldaten aus der Eifel abzuziehen. „Wenn er wirklich Truppen nach Italien verlegen will, muss er dafür Millionen Dollar in die Hand nehmen, wenn nicht Milliarden. Strategisch ist die Verlegung außerdem völliger Unsinn. Wenn Aviano geografisch wirklich deutlich näher an Russland liegt als die deutschen Standorte, dann habe ich in der Schule nicht aufgepasst.“ Ein völliges Aus des Standortes Spangdahlem hatte Billen ohnehin ausgeschlossen.

Damit behält er wohl recht. Mitten in der Unruhe um den angekündigten US-Teilabzug gibt es eine gute Nachricht für Rheinland-Pfalz: Der Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem in der Eifel bleibt nach Angaben der Airforce trotz der geplanten Verlegung von Soldaten erhalten.

„Derzeit gibt es keine Pläne, Spangdahlem zu schließen“, teilte der Oberst der US-Luftwaffe und Kommodore des 52. Jagdgeschwaders, David Epperson, am Wochenende mit. „Unser Geschwader hat immer noch einen wesentlichen Auftrag zu erfüllen, mit oder ohne die Kampfstaffel, die auf unserer Einrichtung stationiert ist.“

Die Landesregierung reagierte positiv. „Eine so deutliche Bestätigung zum Erhalt der Airbase wie sie nun aus Spangdahlem kommt, nur drei Tage, nachdem die Spitze in Washington die Abzugspläne bekanntgibt, betont mit Nachdruck die hohe Güte und Bedeutung des Standortes“, erklärte Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Die Äußerungen aus Washington hätten die Region schwer verunsichert. „Sie wurden auf dem Rücken der an der Airbase Stationierten, der Beschäftigten und der mittlerweile hier fest verwurzelten US-Familienangehörigen getätigt“, kritisierte Lewentz. Die Landesregierung stehe mit den Kommunalvertretern weiterhin eng an der Seite der US-amerikanischen Partner. Lewentz erklärte, er habe bereits mit einem symbolhaften Abzug der Flugzeuge gerechnet, während sich andere Veränderungen über Jahre hinziehen könnten.

Die 480. Kampfstaffel und Teile des 52. Jagdgeschwaders sollen nach Angaben der Airbase Spangdahlem nach Italien verlegt werden, „um sie näher an die Schwarzmeerregion zu bringen und um ihre Fähigkeit zu erhöhen, dynamische Einsätze mit Streitkräften- und Rotationseinsätze in der Region durchzuführen“, begründete Epperson.

Zugleich räumte er ein: „Die Mission hier endet nicht mit dem Umzug der Flugstaffel oder anderer Einheiten, die von diesem Richtungswechsel betroffen sein könnten.“ Die Mehrheit der Luftwaffenangehörigen, die dem 52. Jagdgeschwader zugeordnet sei, unterstütze diese Aspekte der Mission und werde nicht von Spangdahlem umziehen.

Die USA hatten am Mittwoch angekündigt, die Staffel von F-16-Kampfjets mit gut 20 Flugzeugen samt Besatzung, Mechanikern und Unterstützungskräften nach Italien zu verlegen. Zur Airbase gehören laut US-Luftwaffe rund 4000 US-Soldaten. Einige Änderungen würden „in Kürze“ stattfinden. Andere würden mehrere Jahre dauern.

Die Abzugspläne von US-Präsident Donald Trump sind noch nicht final beschlossen. Insgesamt will er die Zahl der US-Soldaten in Deutschland um fast 12 000 verringern. Lewentz hatte schon zuvor gesagt, er rechne damit, dass die USA Spangdahlem nicht ganz aufgeben würden: „Ich gehe davon aus, dass der Flughafen bestehen bleibt.“ Die Landesregierung werde dafür alles tun.

In den vergangenen 15 Jahren hätten die Amerikaner weit mehr als 400 Millionen US-Dollar in den Standort Spangdahlem gesteckt. „Gerade sind eine Middle- und eine High-School für ungefähr 87 Millionen Dollar fertiggestellt worden.“

Die Landesregierung sei permanent im Gespräch mit Abgeordneten, Militärs und Entscheidungsträgern in den USA. Deutschland – und insbesondere Rheinland-Pfalz – sei für die Amerikaner eines der besten Stationierungsländer. „Wir haben eine immer funktionierende Infrastruktur von der Gasversorgung über die Elektrizität bis zur Straßenanbindung. Die deutsche Polizei sorgt für gute Sicherheit.“ Rheinland-Pfalz sei ein guter Gastgeber und habe die Modernisierung der Wohnungen für amerikanische Familien mit viel Geld unterstützt. Der Air-Force-Stützpunkt Spangdahlem in der Eifel ist auch Arbeitgeber für etwa 800 deutsche Zivilbeschäftigte.

Auch in der Region wächst wieder die Hoffnung, dass ein Abzug die Eifel doch nicht so hart treffen könne wie zunächst befürchtet. „Ich erwarte bei den Zivilbeschäftigten nicht die ganz große Delle, weil die Airbase weiterbetrieben werden muss“, sagt Joachim Streit, Landrat des Eifelkreis Bitburg-Prüm (Freie Wähler).

„Die Airbase hat weiter eine Zukunft“, betont Manfred Rodens, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher. Spangdahlems Ortsbürgermeister Alois Gerten sagt: „Wir haben in der Region über Jahrzehnte Freundschaften zwischen Deutschen und Amerikanern geknüpft. Das soll auch in Zukunft der Fall sein.“

Kritischer sehen einen Verbleib von US-Truppen dagegen Umweltaktivisten wie Günther Schneider aus Binsfeld. „Für jeden, der seine Arbeit zu verlieren droht, wäre der Abzug natürlich eine Katastrophe. Für die Region wäre ein Gesamtabzug trotzdem die beste Lösung, weil Böden verseucht sind, die Lärmbelästigung hoch ist und wir die Region so endlich wiederbeleben könnten“, sagt Schneider.

Der Umweltaktivist findet: „Die Region muss nicht vom Militär abhängig sein.“

(dpa)