1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Warum die Wirtschaft in der Region Trier wieder brummt.

Konjunktur : Prima Klima: Konjunktur nimmt Fahrt auf

Auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist und vieles in den kommenden Monaten unsicher ist: Die Wirtschaft in der Region Trier boomt derzeit. Und es gibt Hoffnung auf weitere Besserung.

Wenn die Betriebe in der Region Trier drei Mal im Jahr gebeten sind, ihre Einschätzung zu Geschäftslage, Erwartungen, Investitionen, Beschäftigung und Exporten abzugeben, dann bilden diese aus Industrie, Handel und Dienstleistung zwar immer nur einen Teil der regionalen Wirtschaft ab. Aber die 158 befragten Unternehmen mit 24 000 Beschäftigten zeigen, in welche Richtung der Konjunkturzug fährt: Und der fährt derzeit rasant voraus.

So gut geht es den Unternehmen:

Trotz Corona-Pandemie, hohen Rohstoffpreisen und Flutkatastrophe mit mehr als 500 betroffenen regionalen Gewerbetrieben und einem Schaden von rund 260 Millionen Euro startet die regionale Konjunktur durch. „Wir sind über den Berg“, sagt Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Trierer Industrie- und Handelskammer (IHK). Zwar erwarteten die Betriebe noch einige Gipfel, aber „wir sind optimistisch, dass sich der Aufschwung noch einige Monate halten wird“.

Konkret: Der Klimaindikator für die Konjunktur in der Region liegt bei 121 und damit plus zwölf Punkte gegenüber dem Sommer. Er liegt über dem Durchschnitt in Rheinland-Pfalz und über im durchschnittlichen langjährigen Mittel. 

„Das ist sensationell!“, wertet der IHK-Chef. Die aktuelle Stimmung in der Wirtschaft hat damit sogar das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht. In allen Bereichen haben die Optimisten vor den Pessimisten wieder die Oberhand gewonnen.

Beispiel Umsätze: In den vergangenen zwölf Monaten hat sich das Verhältnis geradezu umgekehrt. Verzeichneten im Herbst 2020 nur 27 Prozent der Unternehmen steigende Umsätze, sind es aktuell 45 Prozent; verloren vor einem Jahr 46 Prozent der Betriebe Geschäfte, so sind es derzeit nur 25 Prozent. „Und diese Entwicklung ist branchenübergreifend, auch im Handel“, sagt der Kammerchef.

Der Handel hatte unter den Lockdowns und vor allem den abrupten Geschäftsschließungen Ende 2020 besonders stark zu leiden. Auch Hotellerie und Gastronomie haben die Verluste aus zwei Jahren noch nicht auffangen können. „Es gibt Betriebsschließungen, um einer Insolvenz zuvorzukommen. Restaurants verkürzen ihre Öffnungszeiten. Wer Kontakt zu seinen Mitarbeitern gehalten hat, ist jetzt besser dran“, weiß Glockauer.

Insgesamt hat sich der Saldo zwischen denjenigen mit guter und denjenigen mit schlechter Geschäftslage innerhalb eines Jahres immerhin von plus 15 auf plus 34 mehr als verdoppelt. Besonders gut sieht dieses Verhältnis in der Industrie mit plus 44 und in der Dienstleistungsbranche mit plus 38 aus. Der Handel verzeichnet einen Wert von plus 18. Dass sich etwa in der Industrie die Zahl der Betriebe mit hoher Kapazitätsauslastung verdreifacht hat, wertet IHK-Chefsvolkswirt Matthias Schmitt als „sehr starkes Signal. Das zeigt auch, dass sich viele Betriebe mit den Risiken des Aufschwungs arrangiert haben“.

Das sind die Risiken:

Doch was sind die Risiken des Aufschwungs? Hat die Angst vor den Folgen der Corona-Pandemie den Fachkräftemangel einige Monate überlagert, so trifft die Personalnot nun die Betriebe mit voller Wucht: 70 Prozent von ihnen sehen dies als größtes Risiko für ihren Geschäftserfolg, in der Industrie sind es sogar 78 Prozent der Unternehmen.

Gleichauf befindet sich die Furcht vor weiter steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. „Dieser Wert ist innerhalb eines Jahres von 14 auf 70 Prozenz nahezu explodiert“, sagt Schmitt und befürchtet Preissteigerungen für Kunden und Endverbraucher. Auch die Arbeitskosten sehen viele Betriebe (37 Prozent) als Risiko, die Folgen der Pandemie sieht immerhin noch jedes zweite Unternehmen als Einschränkung für Wachstum an.

Das planen die Betriebe:

Neben dem aktuellen Klima zählen für die Wirtschaft auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate. Und danach soll es für weit mehr Unternehmen nochmals besser werden. Denn die Zahl der Pessimisten ist im Vergleich zum Herbst 2020 und diesem Frühjahr von 23 und 24 Prozent auf nun 13 im Herbst gesunken. „Das gibt Hoffnung, dass die Betriebe die künftigen Herausforderungen ebenfalls meistern“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Dazu gehört auch, dass wieder mehr Unternehmen ihre Maschinen und Hallen ausbauen wollen. Noch vor einem Jahr wollten die Betriebe eher weniger investieren.

Analog sieht es bei den Stellen aus. Wollten vor einem Jahr noch mehr Betriebe ihren Beschäftigten kündigen, so wollen nun dreieinhalb mal so viele Unternehmen Mitarbeiter einstellen als abbauen. 

Das sind die Hoffnungszeichen:

Und wie geht es nun weiter? „Wir sind zwar noch nicht da angekommen, wo wir hinwollen. Aber wir sehen wieder mehr Menschen in der Stadt und wir hoffen alle auf ein gutes Weihnachtsgeschäft, das für viele den größten Anteil am Jahresumsatz ausmacht“, sagt etwa Jürgen Poss, Geschäftsführer von Poss Schuhhandel und Vorstandsmitglied der City Initiative Trier. „Wir sind optimistisch.“ Gerade für den Handel habe sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr geändert, sagt IHK-Chef Jan Glockauer: „Im Winter 2020 kam der Lockdown extrem kurzfristig. Jetzt gibt es aber eine Perspektive, dass es zu keinen Schließungen kommen kann und die Geschäfte wieder planen können“, erklärt er. Die Industrie stellt nicht nur ein dickes Auftragspolster, sondern auch viele neue Aufträge aus dem In- und Ausland fest. „Vor allem die Dynamik im Inland ist groß, was der Region den Vorteil gibt, sich besser aufzustellen als das gesamte Bundesland, weil es weniger exportabhängig ist“, sagt Konjunkturexperte Matthias Schmitt. Einziger Wermutstropfen: steigende Kosten auf allen Ebenen. „Es gibt große Herausforderungen in vielen Bereichen wie Energie, Rohstoffe, Logistik und Personal, die auch 2022 anhalten. Es ist noch nicht absehbar, wo die Reise hingehen wird“, sagt Oliver Gloden. Vorstandssprecher von Schloss Wachenheim in Trier. „Deshalb setzen wir unsere Kräfte dafür ein, im für das Gesamtergebnis so wichtige Jahresendgeschäft  die Lieferfähigkeit aufrecht zu erhalten und unsere Kunden und Konsumenten zeitnah zu bedienen“. Dabei ist die IHK optimistisch: „Wir sehen ein starkes Signal, dass die Unternehmen mit Lieferengpässen klarkommen und die Herausforderungen bewältigen“, sagt Glockauer. Hier gebe es oft gute Lieferbeziehungen und man sei bereit, zeitweise höhere Preise zu zahlen.

In der Dienstleistungsbranche verzeichnen die Betriebe derzeit ein so gutes Konjunkturklima, das sogar  weit über vielen Jahren vor Corona lag. Nur Anfang 2012, im Frühjahr 2014 und Herbst 2018 lagen die Werte in den vergangenen zehn Jahren nochmals höher als derzeit. Cornelia Lamberty, Geschäftsführerin der Trierer Mediaagentur Moccamedia, freut sich vor allem über neue Kunden: „Seit Anfang dieses Jahres erleben wir einen regelrechten Nachfrage-Boom aus vielen verschiedenen Branchen“, sagt sie. Ein Zeichen, dass es hier weiter aufwärts geht. Insgesamt ist die IHK „optimistisch, dass die Grundlagen für einen weiteren Aufschwung gelegt sind“, sagt Matthias Schmitt.