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Flugverkehr
Was ist nur am Himmel los?

Mit Ryanair in die Ferien fliegen? Die Absage zahlreicher Flüge dürfte vielen Reisenden die Freude daran trotz Umbuchungen oder Entschädigungen verdorben haben.
Mit Ryanair in die Ferien fliegen? Die Absage zahlreicher Flüge dürfte vielen Reisenden die Freude daran trotz Umbuchungen oder Entschädigungen verdorben haben. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Berlin. Flugausfälle, Verspätungen, Streik – und das alles mitten in der Urlaubszeit. Viele sind genervt. Von Hagen Strauss

Von einem entspannten Start in den Urlaub kann für viele Reisende derzeit keine Rede sein. Mal hebt der Flieger gar nicht ab, mal nur mit erheblicher Verspätung. Und jetzt auch noch der Streik bei der Billig­airline Ryanair. Was ist los am Himmel?

Die Flugbegleiter wollen mehr Geld, deswegen hatte die irische Airline für Mittwoch europaweit 300 Flüge abgesagt. Betroffen waren auch mehrere Verbindungen von und nach Deutschland. Gestreikt wird vorerst bis einschließlich diesen Donnerstag. 50 000 Kunden seien umgebucht oder vollständig entschädigt worden, beteuerte Ryanair.

Der Streik mitten in der Ferienzeit sorgt bei Reisenden für Frust und Ärger. Aber nicht nur der: In Deutschland kommt es derzeit zu vielen Verspätungen, Flugstreichungen sowie zu langen Wartezeiten bei den Sicherheitskontrollen. Urlauber müssen jede Menge Geduld mitbringen und sich möglichst früh am Flughafen einfinden – zum Teil sogar drei Stunden vor Abflug, sagen Experten.

„Diese Situation entspricht nicht dem Qualitätsversprechen und auch nicht dem eigenen Anspruch der Luftverkehrsbranche“, räumt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, ein. Airlines, Flughäfen und Flugsicherung hätten ihre Anstrengungen verstärkt, um einen zusätzlichen Beitrag zur Stabilisierung des Betriebs zu leisten.

Doch offenbar reichen die Maßnahmen nicht aus. An einigen Flughäfen wie dem in Berlin-Tegel herrschen immer wieder chaotische Zustände. Es fehlt an Bodenpersonal, mitunter warten zurückgekehrte Fluggäste zwei Stunden auf ihre Koffer. An anderen Flughäfen sieht es nicht unbedingt besser aus. Vor allem bei den Kontrollen hapert es, sie seien anders als in anderen europäischen Staaten hierzulande „wenig effizient organisiert“, so der BDL in einem Analysepapier.

Hinzu kommt eine starke Zunahme der Flugbewegungen. Im ersten Halbjahr 2018 wurden im deutschen Luftraum 1,59 Millionen Flüge gezählt, das sind deutlich mehr als noch im Vorjahr und auch deutlich mehr als prognostiziert. Negativ wirkt sich zudem die Pleite von Air Berlin aus. Jene Unternehmen, die Teile der Gesellschaft übernommen hätten, sind laut Verband gerade erst dabei, Personal und Flugzeuge in den Betrieb einzubauen. Das dauere. Streiks, extreme Wetterlagen und starre „Betreibzeitbeschränkungen“ seien weitere Gründe. Das alles erschwere momentan die flüssige Abwicklung des Luftverkehrs zusätzlich, so der BDL. Gegensteuern müsse man mit einer optimaleren Luftraumnutzung, mit mehr Personal und dem Rückgriff auf Reservemaschinen.

Ob das hilft? Nach Ansicht des Verbraucherexperten der Grünen, Oliver Krischer, baden die Passagiere vor allem die schlechten Planungen der Fluggesellschaften aus. „Die vorgeschriebenen Fluggastrechte und Bußgelder sind offensichtlich zu gering, um die Airlines zur Einhaltung ihrer rechtlichen Pflichten zu bewegen.“ Erforderlich seien eine Reform des Ordnungsrechts und höhere Bußgelder. Viel zu oft würden falsche Gründe für Verspätungen und Ausfälle angegeben, so Krischer.

Dass sich die Probleme noch verschärfen werden, zu dem Ergebnis kommt die europäische Flugsicherungsorganisation „Eurocontrol“. Sie rechnet bis 2040 mit einem Anstieg des Flugverkehrs in Europa um rund 50 Prozent. Die gegenwärtigen Kapazitäten seien für dieses Wachstum nicht ausgelegt. Offenkundig reichen sie auch jetzt schon nicht, wie viele Urlauber zurzeit erleben.