Was macht eigentlich ...

Klar, kantig, kontrovers - Politiker vom Schlage des Eifeler Christdemokraten Peter Rauen werden in den Parlamenten immer seltener. Dabei kam der heute 66-jährige Salmrohrer eher zufällig zur Politik. Ein Kegelbruder überredete Rauen zum Parteieintritt. In seiner ersten CDU-Sitzung machte der gelernte Maurer durch eine lästerliche Zwischenfrage auf sich aufmerksam: "Ich verstehe kein Wort, könnt ihr mal deutsch reden?!" Es war der Startschuss für Peter Rauens politische Karriere.

Guten Tag, Herr Rauen! Wobei störe ich Sie gerade?
Ich lese gerade ein Buch mit dem Titel "Ordnungspolitik in Deutschland", für das ich, neben anderen Politikern und Professoren, auch selbst einen Beitrag geschrieben habe.
Sie haben sich vor zwei Jahren von der großen Politik verabschiedet: Wie sieht es mit Entzugserscheinungen aus?
Ich habe endlich mal Zeit und Muße für die Familie und die Enkelkinder; auch für die Begegnung mit Freunden sowie den Fußball in meinem Heimatort. Das alles kam in der Zeit, wo ich ständig auf der Überholspur war, zu kurz.
Heißt das, der ehemalige Sprinter Peter Rauen lässt jetzt alles ein bisschen ruhiger angehen?!
Natürlich. Das sieht man schon daran, dass ich in der Flensburger Verkehrssünderkartei jetzt keine Punkte mehr habe.
Pflegen Sie noch Kontakte zu alten politischen Weggefährten?
Natürlich. Ich bin beispielsweise als Ehrenvorsitzender der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung zu jeder Vorstandssitzung eingeladen, war auch jetzt beim Bundeskongress. Dann bin ich Ehrenvorsitzender des CDU-Bezirks Trier. Auch da nehme ich an den Vorstandssitzungen teil. Und wenn ich gefragt werde, gebe ich gerne Ratschläge. Ansonsten hält man sich als Rentner zurück.
Hat es Sie nicht heftig in den Fingern gejuckt, als die CDU kürzlich das Thema Mindestlohn debattierte?
Ich habe ja schon vor Jahren in meiner Fraktion dafür geworben, das Thema abzuräumen. Mit dem damaligen SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering war ich in dem Punkt einer Meinung: Wer den ganzen Tag arbeitet, muss mehr im Portemonnaie haben als jemand, der nicht arbeitet, sondern Hartz IV und Wohngeld bekommt. Wer sagt, dass der Mindestlohn unserem Wirtschaftssystem widerspricht, redet Unfug. Schon die Väter unserer Wirtschaftsordnung hatten den Mindestlohn vorgesehen. Nachdem aber die Preise freigegeben wurden und die Tarifparteien funktionabel gearbeitet hatten, war das nicht mehr notwendig. Seit einigen Jahren gibt es aber die Verwerfung, dass Leute, die Vollzeit arbeiten, von ihrem Lohn nicht mehr leben können.
Es gibt aber genügend Unternehmer in der Union, die nichts von einem Mindestlohn halten …
Ein Mittelständler weiß genau: Er kann nur erfolgreich sein, wenn seine Mitarbeiter zufrieden sind. Und zufrieden sind die Mitarbeiter nur, wenn sie sich vom Lohn ihrer Arbeit anständig ernähren können.
Sie haben die interne Zerrissenheit der Landes-CDU jahrelang miterlebt, wollten selbst einmal Spitzenkandidat der Landespartei werden und den damaligen CDU-Chef Christoph Böhr entthronen. Wie lautet Ihre heutige Diagnose über den Zustand der Partei?
Unter Julia Klöckner ist die Partei auf einem sehr guten Weg. Die CDU-Landesvorsitzende versteht es, Menschen zusammenzuführen. Bei der nächsten Landtagswahl haben wir eine gute Chance, die Regierung wieder zu übernehmen.
Was halten Sie vom neuen CDU-Generalsekretär Patrick Schnieder?
Ist ebenfalls eine gute Lösung.
Und was ist Ihre Meinung zum Fall Michael Billen, mit dem Sie ja auch so manchen Kampf ausgefochten haben?
Ich bin froh über den Ausgang des Gerichtsverfahrens, bei dem Michael Billen freigesprochen wurde. Teilweise wurde die Sache von den Medien ja ganz schön hochgespielt.
Aber den ersten Stein hat doch der damalige CDU-Landes- und Fraktionschef Christian Baldauf geworfen, indem er - ohne Not - Billens Rücktritt forderte …
Ich weiß nicht, ob ich mich in so zugespitzte Fragen hineinbegeben sollte. Was ich sage: Ich habe das überzogene Handeln nicht für gut gehalten.
Womit vertreibt sich denn der einstige politische Multifunktionär Peter Rauen heute den lieben langen Tag?
Neben der Beschäftigung mit Familie und Freunden sorge ich dafür, dass ich mich ausreichend bewege. Ich spiele gerne Golf, jogge von Zeit zu Zeit oder kümmere mich um meine vier Enkelkinder. Es macht mir unheimlich viel Spaß, sie aufwachsen zu sehen; ein schönes Glücksgefühl. Bei meinen eigenen Söhnen habe ich da vieles verpasst, das hat meine Frau alleine erledigt.
Was ist aus Ihrer einstigen Liebe zum Fußball geworden?
Diese Liebe erlischt ja nie. Wenn man, wie ich, 30 Jahre einem Verein vorgestanden hat, den FSV Salmrohr von der Kreisklasse in die Bundesliga gebracht hat, dann ist das eine Verbindung, die Bestand hat. Jetzt habe ich auch wieder Zeit, mir mal ein Training oder die Jugend anzuschauen oder zu Auswärtsspielen mitzufahren.
Die Frage nach Ihrem heutigen Verhalten im Straßenverkehr haben Sie ja ansatzweise schon beantwortet …
Da können Sie auch als Trierischer Volksfreund mal einiges klarstellen: Ich habe meinen Führerschein - außer zwei Mal für einen Monat - immer gehabt. Und die Punkte, die ich in Flensburg hatte, sind längst abgebaut. Heute fahren ich im Jahr allerdings auch nur noch 10 000 Kilometer, früher waren es 80 000 - bei einem randvollen Terminkalender. Da sind so manche Punkte beisammengekommen.

Interview: Rolf Seydewitz
Extra

Peter Rauen wurde am 26. Januar 1945 in Salmrohr geboren. Nach Abitur, Maurerlehre und FH-Studium gründete er ein eigenes Bauunternehmen. Mit 21 Jahren trat Rauen in die CDU ein, saß für die Partei in diversen kommunalen Räten, war lange Jahre Kreisvorsitzender in Bernkastel-Wittlich und CDU-Bezirkschef. Nach vier Jahren im Mainzer Landtag wurde Peter Rauen (Spitzname "Bubb") 1987 in den Bundestag gewählt, dem er 22 Jahre angehörte. In der CDU machte der kantige Eifeler Karriere: Er gehörte Bundesvorstand und Präsidium an, war stellvertretender Fraktionschef und acht Jahre lang Bundesvorsitzender der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung. Im Vorfeld der Landtagswahl 2006 scheiterte Rauen mit dem Versuch, den damaligen CDU-Landesvorsitzenden Christoph Böhr als Spitzenkandidat zu entthronen. Für Schlagzeilen sorgte der leidenschaftliche Fußballfan und Skatspieler auch durch seinen Bleifuß, der Rauen manchen Punkt einbrachte. sey