Weder echt noch originell

Hip-Hop entstand in den Ghettos der US-Metropolen, Gewalt und Drogen waren von Anfang an elementarer Bestandteil der Texte. Ursprünglich wurde dieses Umfeld distanziert und kritisch vertextet - verständlich, da die Urheber des Genres ein hartes Lebensumfeld schilderten, aus dem sie ausbrechen wollten.

Doch dann kam der Gangsta-Rap. Dessen Vertreter, als eine Art Stammvater gilt Ice-T aus Los Angeles, stellten das Dasein als Gang-Mitglied, Kleinkrimineller oder Drogendealer als genau genommen tolle Sache dar. Einem "Gangsta" kommt niemand dumm, er hat die Lage im Griff, was er will, das nimmt er sich. So wurde Gangsta-Rap zum kommerziell erfolgreichsten Subgenre des Hip-Hop. Die zahlreichen Kontroversen um die Menschen verachtenden Texte entsetzten und empörten Eltern und Jugendschützer. Das jugendliche Publikum war dagegen ganz heiß auf die verbotene Ware. Dieser letzte Punkt, und wirklich nur dieser, macht aus deutschen Künstlern wie Bushido Extrem-Rapper. Erfolg hat nur, wer auffällt - dieser nicht immer zutreffenden These folgen die niveaulosen Verbalattacken. Musiker wie Bushido und Fler versuchen, ein Lebensumfeld zu repräsentieren, das sie in der von ihnen dargestellten Intensität - Drogen, Gangs, Ghettos - natürlich nicht kennen können. Sie sind dabei weder originell noch glaubwürdig. Ihre Auftritte generell zu verbieten würde bedeuten, sie für tatsächlich gefährlich zu halten und ihnen damit noch einen Gefallen zu tun. Bushido, Fler & Co. sind nicht echt. Sie bieten eine Show. Diese kann man gut finden, ablehnen oder dabei einschlafen. j.pistorius@volksfreund.de