Weit weg vom Sieg

Das Ziel im Irak sei "Sieg", sagte US-Präsident George W. Bush am Wochenende. Und: Einen Rückzug werde es erst geben, wenn dieses Ziel erreicht sei. Doch was definiert einen "Sieg"? Ein Tag, an dem ausnahmsweise einmal weniger als 100 Menschen dort durch Gewalttaten sterben?

Nimmt man die aktuelle Situation im Zweistromland als Maßstab, so scheint eine Befriedung in immer weiterer Ferne. Längst ist klar geworden, dass auch mehr Truppen das Dilemma nicht lösen können. Nun will es Bush offenbar mit einem zeitlich gestaffelten Forderungskatalog an die irakische Regierung versuchen, der bei Nichterfüllung mit Strafen verbunden sein soll. Doch welchen Sinn machen Strafen gegenüber einem Land, dass sich ohnehin am Boden befindet? Die ausufernde Gewalt paralysiert längst das öffentliche Leben und den Wiederaufbau. Noch wehrt sich der US-Präsident gegen das Unvermeidliche: Das Eingeständnis des Scheiterns und die Ankündigung eines stufenweisen, zeitlich klar definierten Truppenabzugs. Denn dass die Vereinigten Staaten nicht die Autorität und die Fähigkeit haben, das Land zu befrieden, ist offenkundig. Wenn am 7. November die Kongresswahlen in den USA gelaufen sind, dürfte sich der Druck auf den Präsidenten noch erhöhen - möglicherweise verbunden mit einem für Bush schmerzhaften Mehrheitsverlust auf dem Kapitol. Dann werden Durchhalteparolen allein nicht mehr ausreichen, um jene steigende Zahl von Politikern, Parlamentariern und Bürgern ruhig zu stellen, die sich mit dem mittlerweile von vielen als sinnlos empfundenen Sterben junger Amerikaner im Irak nicht abfinden wollen. nachrichten.red@volksfreund.de