| 19:48 Uhr

Kaholische Kirche
Weiteren Kirchen droht die Schließung

Die frühere Trierer Pfarrkirche St. Paulus ist im vergangenen Jahr profaniert worden. Andere Gotteshäuser werden folgen.
Die frühere Trierer Pfarrkirche St. Paulus ist im vergangenen Jahr profaniert worden. Andere Gotteshäuser werden folgen. FOTO: roland morgen (rm.)
Trier. Im Bistum Trier gibt es bald nur noch 35 Großpfarreien. Hilft die Reform aus der finanziellen Misere? Von Rolf Seydewitz

Wenn das Bistum Trier sich etwas in die Bücher schauen lässt, erinnert dies unweigerlich an die alljährlich an Silvester im Fernsehen ausgestrahlte Klamotte „Dinner for one“ und die ewig wiederkehrende Antwort der greisen Miss Sophie auf die Frage ihres Butlers: „The same procedure as every year!“ – „Das gleiche Prozedere wie jedes Jahr, James.“

Womöglich mag die seit einiger Zeit kontinuierlich wiederkehrende millionenschwere Finanzierungslücke der Grund dafür gewesen sein, dass die Verantwortlichen des Trierer Bistums die letztjährige Haushaltspressekonferenz getreu dem Motto „Gibt ja doch nichts Neues zu vermelden“ einfach ausfallen ließen und sich auf eine schnöde Mitteilung beschränkten. In diesem Jahr saßen die beim Bistum für die Finanzen Verantwortlichen jedenfalls wieder in voller Besetzung auf dem Podium und erklärten dem knappen Dutzend anwesender Journalisten, warum das Defizit in diesem Jahr sogar noch um ein paar Millionen höher ausfallen könnte als in den Vorjahren, und was man dagegen zu unternehmen gedenkt.

Dabei steht das noch gar nicht so genau fest.  „Wir können dazu noch nichts Konkretes sagen“, meinte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg auf die Frage nach möglichen Details des sogenannten Haushaltssicherungskonzepts. Das Konzept war jüngst auch vom Kirchensteuerrat, dem in Finanzfragen wichtigsten Gremium des Bistums, „sehr deutlich gefordert“ worden, wie es offiziell hieß.

Von einem neuen Sparpaket will der Generalvikar in diesem Zusammenhang nichts wissen, weist den Begriff sogar mit ziemlich ernster Miene zurück – „wie auch den Begriff der XXL-Pfarreien“. Das Bistum spricht da lieber von Pfarreien der Zukunft, was ja auch irgendwie netter klingt als XXL- oder Groß­pfarreien. Nach Angaben von Plettenbergs steht die territoriale Neugliederung kurz vor dem Abschluss. Künftig wird es in Deutschlands ältestem Bistum demnach nur noch 35 statt der bislang 887 Pfarreien geben. Der Bischof wird den Entwurf demnächst freigeben, der dann Grundlage für ein formales Anhörungsverfahren in den Pfarreien ist. Bis Januar 2020 solle die neue Struktur in Kraft gesetzt sein, bekräftigte der Generalvikar und fügte hinzu, man wolle mit den Menschen im Bistum in Kontakt bleiben und die Vorgaben der Synode umsetzen.

Bis 2024 soll auch der Haushalt wieder ausgeglichen sein. „Eine nicht ganz leichte Aufgabe steht bevor“, meint der Generalvikar. Finanzchefin Kirsten Straus sagt ein bisschen später: „Die Finanzen bewegen sich in einem nicht unkritischen Fahrwasser“, und man könne auch „bei den Großpfarreien nicht alles erhalten, was uns lieb und teuer ist“.

Da dürfte es absehbar sein, dass weitere Kirchen und kirchliche Gebäude geschlossen und verkauft werden. Nach offiziellen Angaben hat sich das Bistum Trier seit dem Jahr 2000 von insgesamt 31 Kirchengebäuden getrennt. Im vergangenen Jahr  wurden etwa die Trierer Pauluskirche oder die Koblenzer Heilig-Kreuz-Kirche profaniert. „Wir gehen nicht nach der Rasenmähermethode vor“, verspricht der Generalvikar, „sondern schauen, wo eine Kirche von den Menschen vor Ort belebt wird.“