Weltmeister sein reicht nicht

Die großen Umweltsünder und alle, die es noch werden wollen, müssen bald einiges anders machen, wenn die ganz große Klimakatastrophe ausbleiben soll. Und wir Deutschen sind mit 20 Prozent der Umwelt-Patente die Umwelt-Weltmeister.

Das ist schön, reicht aber nicht. Das Ganze ist eine einfache Rechenaufgabe. Der UN-Klimabericht zeigt, dass der Klimawandel sich nicht mehr stoppen lässt - eine Tatsache, die zurzeit auf dem Klimagipfel in Nairobi 6000 Menschen beschäftigt. Wenn jedoch erreicht würde, dass die Temperatur um nicht mehr als zwei Grad steigt, dann wäre zu verhindern, dass das polare Eis abschmilzt oder der Regenwald kollabiert - Szenarien, deren weitere Folgen fatal sein könnten. Um das zu erreichen, darf jeder Erdenbürger im Schnitt nur so viele fossile Energien nutzen, dass nicht mehr als zwei Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr freigesetzt werden. Zwei Tonnen, das entspricht in etwa der Menge, die pro Person für Hin- und Rückflug von Frankfurt nach New York draufgeht. Statt dieser zwei Tonnen verpulvern Deutsche derzeit aber 9,6 Tonnen pro Person und Jahr. Damit liegen wir "Umwelt-Weltmeister" hinter den USA (19,8 Tonnen) und Russland (9,9 Tonnen) an Platz drei der Klimasünder-Hitliste. Noch verpulvert jeder Deutsche im Schnitt viermal so viel CO2 wie einer der rund 1,3 Milliarden Chinesen. Und wie China streben die meisten Länder dieser Erde erst noch danach, so weit zu kommen wie wir. Mit Recht. Sie haben das Recht, sich zu entwickeln. Die Industrienationen stehen durch ihr Handeln bei ihnen in der "Kohlenstoffdioxid-Schuld". 80 Prozent - um so viel müssten wir Deutschen unseren Treibhausgas-Ausstoß verringern, nur um erstmals eine Art von globaler Gerechtigkeit herzustellen. Von Schuldenbegleichung wäre da noch lange nicht die Rede. Und der Weg dorthin? CO2-Ausstoß muss teuer werden, richtig teuer - Fachleute schlagen 20 bis 30 Euro je Tonne vor. Die CO2-neutralen Alternativen für Heizung, Kraftstoff und Strom haben wir deutschen Patent-Meister schon längst im Ärmel. Wir müssen sie nur nutzen. Und bis es soweit ist, dass Politik und Wirtschaft dafür gesorgt haben, dass alles so hübsch CO2-neutral ist, müssen wir selbst die Verantwortung übernehmen, unserer "rückschrittlichen" Gesellschaft mit "rückschrittlichen" Verhaltensweisen begegnen, die schon die alten Birkenstock-Ökos gepredigt haben: das Auto mal stehen lassen, die Heizung runterdrehen und übers Wochenende nicht nach Mailand jetten. Echte Umwelt-Weltmeister müssen eben mehr tun, als zukunfstweisende Dinge nur zu erfinden. k.hammermann@volksfreund.de