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Weniger Drogentote, mehr Erstkonsumenten

Weniger Drogentote, mehr Erstkonsumenten

Die Drogenszene in Deutschland bietet ein zwiespältiges Bild: Einerseits hat die Zahl der Rauschgifttoten im Vorjahr den niedrigsten Stand seit 1988 erreicht. Andererseits wurden deutlich mehr erstauffällige Konsumenten harter Drogen registriert.

Berlin. Bei der Vorstellung der aktuellen Daten gestern in Berlin sprach die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, trotzdem von einem "erfreulichen Trend". Einige wichtige Fragen und Antworten zum Thema.
Wie viele Drogentote gab es 2011?
Im Vorjahr kamen 986 Menschen durch Rauschgift, insbesondere durch eine Überdosis von Heroin in Verbindung mit weiteren Drogen ums Leben. 2010 wurden 1237 Todesopfer registriert. Damit ging die Zahl um rund 20 Prozent zurück. Der Schwerpunkt lag in der Gruppe der männlichen Abhängigen ab 30 Jahren aufwärts. Hier starben allein 837 Personen.
Gibt es regionale Unterschiede?
Ja. Der Drogenkonsum mit tödlichem Ausgang ist in erster Line ein Problem der Ballungszentren. Nach der Statistik hält die Stadt Mannheim den traurigen Rekord - auf 100 000 Einwohner kamen dort 4,2 Drogentote. In Nürnberg waren es vier, in Frankfurt 3,8 und in Berlin 3,3 Todesopfer. Unter den Flächenländern war Hessen mit 1,5 Drogentoten pro 100 000 Einwohner am stärksten betroffen. Die geringste Opferzahl wies Brandenburg auf. Hier kam ein Drogentoter auf eine Million Einwohner.
Warum steigt die Zahl der Erstkonsumenten?
Dafür hatte die die Drogenbeauftragte keine Erklärung. Möglichweise hängt es damit zusammen, dass immer mehr synthetische Drogen auf den Markt kommen. 2011 wurden gut 21 300 Konsumenten harter Drogen erstmalig von der Polizei registriert. Das war ein Plus von fast 15 Prozent. Ihr Durchschnittsalter betrug 28 Jahre. Während die Zahl der Heroinabhängigen (2742) um etwa 14 Prozent schrumpfte, stieg die Zahl der erstauffälligen Konsumenten von Amphetamin und Metham phetamin - künstlich hergestellten Rauschmitteln mit zum Teil immenser Wirkung um fast 20 Prozent. Knapp 17 000 erstauffällige Konsumenten griffen zu Crystal, einem kristallinen Meth amphetamin. Das ist ein Zuwachs von fast 164 Prozent.
Woher kommen die Rauschmittel?
Ursprungsland Nummer eins für Heroin bleibt Afghanistan. Nach Angaben von Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), reicht die dortige Anbaufläche für Schlafmohn aus, "um den Weltmarkt mehr als zu sättigen". Kokain wird zumeist in Kolumbien, Peru und Bolivien gewonnen. Eine Hochburg für die Produktion synthetischer Drogen ist Mexiko.
Gibt es neue Trends?
Ja. Ziercke zeigte sich besorgt über den zunehmenden Konsum von Drogen, die aus Kräutern, Badesalzen oder Luft erfrischern zusammengerührt werden. Darin seien Betäubungsmittel, die teils unkalkulierbare Gesundheitsgefahren hätten. Darüber hinaus komme Cannabis in deutlich höheren Konzentrationen als früher auf den Markt, weshalb von einer weichen Droge keine Rede sein könne.
Was tut die Polizei gegen die Drogenflut?
Laut Bundeskriminalamt konzentriert sich die Polizei auf die Nachschubwege und die Kooperation mit den Sicherheitsbehörden in den Produktionsländern. So unterstützt das BKA zum Beispiel eine peruanische Ermittlungseinheit beim Aufspüren von Kokain. 2011 wurden in Deutschland 1,4 Tonnen Amphetamin und Methamphetamin sichergestellt. Fünf Prozent mehr Heroin wurde gefunden. Bei Kokain gab es einen Einbruch von 36 Prozent.