Wenn der Tod Mensch und Tier nicht mehr scheidet

Wenn der Tod Mensch und Tier nicht mehr scheidet

Ein gemeinsames Grab für Hund und Herrchen? Was früher undenkbar schien, ist ab heute Realität. Zwischen Koblenz und Boppard wird Deutschlands erster gemeinsamer Friedhof für Mensch und Tier eröffnet. Weitere werden folgen.

Trier. Die Deutschen lieben Tiere: Geschätzt 30 Millionen Haustiere, meist Hunde oder Katzen, werden unter deutschen Dächern gehalten. Wenn Fiffi, Bello oder Muschi nach vielen gemeinsamen Jahren sterben, ist das für die Besitzer oft ein traumatisches Erlebnis. Unvorstellbar, dass das Haustier im Garten verscharrt oder in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt verbrannt wird.
Da passt es ins Bild, dass immer mehr Tierfriedhöfe angelegt werden. Allein der zum Trier-Zewener Tierheim gehörende Friedhof hat mehrere Hundert Grabstellen. Die Kunden kommen von weit her, um das geliebte Haustier dort zu begraben.
Nun macht ein neues Geschäftsmodell von sich reden: In diesen Tagen werden bundesweit die ersten beiden Friedhöfe eröffnet, auf denen sich ausschließlich Mensch und Tier gemeinsam bestatten lassen können. Initiator ist die privatwirtschaftlich geführte Deutsche Friedhofsgesellschaft (siehe Stichwort).
"Wir sind häufig auf einen solchen gemeinsamen Friedhof angesprochen worden", sagt Verwaltungsleiterin Judith Könsgen, "deshalb haben wir uns zu diesem ungewöhnlichen Schritt entschlossen." Gerade für ältere Bürger sei das Tier häufig der einzig verbliebene treue Begleiter. Da könne die Aussicht, den letzten Weg gemeinsam zu gehen, etwas sehr Tröstliches sein, meint die Friedhofschefin.
Der "Premieren-Friedhof" liegt in einem Waldgelände zwischen Koblenz und Boppard. Hier betreibt die Deutsche Friedhofsgesellschaft auch seit vielen Jahren ein Krematorium und mehrere Friedhöfe. Der Urnenfriedhof für Mensch und Tier mit dem Namen "Unser Hafen" wurde neu angelegt. Interessenten können zwischen einem sogenannten Freundschaftsgrab und einem Familiengrab für maximal zwölf Urnen wählen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich in den Urnen die Asche eines Menschen oder eines Tieres befindet. Die Grabkosten für die Dauer von 20 Jahren liegen zwischen 1380 und 1840 Euro, pro Beisetzung kommen noch einmal 280 Euro hinzu.
Den rheinland-pfälzischen Bestattern wurde die Produktinnovation bereits im vergangenen Monat vorgestellt. Bezirksverbandsvorsitzender Guido Eis (Wittlich) war zwar nicht dabei, stellt aber der Friedhofsgesellschaft ein gutes Zeugnis aus. "Die haben einen guten Ruf, und der Service stimmt", sagt Eis.
Dennoch steht er der neuen Geschäftsidee mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits sei er dafür, dass die Verstorbenen dort bestattet würden, wo sie gelebt hätten. "Andererseits ist der Kunde nun mal König", sagt der Wittlicher Unternehmer.
Ob gemeinsame Friedhöfe von Mensch und Tier bald ebenso zum gewohnten Bild gehören werden wie Friedwald oder Kolumbarium, dürfte in erster Linie von der Nachfrage abhängen. Glaubt man der Deutschen Friedhofsgesellschaft, gibt es viele Anfragen von Tierbesitzern. Deshalb verhandelt das Unternehmen nach eigenen Angaben auch mit weiteren Kommunen über die Anlegung eines gemeinsamen Friedhofes.
Nach Angaben des Mainzer Sozialministeriums ist es Sache der Kommunen, ob sie gemeinsame Friedhöfe zulassen möchten oder nicht. Nach dem Bestattungsgesetz seien allerdings die Würde des Toten und das sittliche Empfinden der Allgemeinheit zu beachten, so Ministeriumssprecherin Johanna Bock.Extra

Die Deutsche Friedhofsgesellschaft ist ein Familienunternehmen, das nach eigenen Angaben bundesweit derzeit 15 Friedhöfe betreibt. Das Unternehmen bietet unterschiedlichste Formen der Urnenbeisetzung an. Sie reichen von der Beisetzung am Familienbaum über die anonyme Rasenbestattung bis hin zur Bestattung an einem Rosenstock oder im Kolumbarium. Zur Friedhofsgesellschaft gehört auch das Rhein-Taunus-Krematorium im rheinland-pfälzischen Dachsenhausen. sey

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