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Wenn die USA beim Klimagipfel den Kürzeren ziehen

Wenn die USA beim Klimagipfel den Kürzeren ziehen

Wenn zum Weltklimagipfel in dieser Woche nun die Umweltminister der 196 Verhandlungspartner tagen, um einen neuen Weltklimavertrag zu verabschieden, dann verfolgen rund 90 Schüler aus der Region Trier dies mit besonderer Aufmerksamkeit. Sie haben den UN-Klimagipfel im Vorfeld simuliert und selbst Resolutionen verabschiedet.

Trier. Wenn sich Japan und Russland gemeinsam an einen Tisch setzen, dann gehen dem für gewöhnlich langwierige, zähe Verhandlungen und viel diplomatisches Geplänkel voraus. Dass sie ein neues Handelsabkommen durchsetzen können, ist nochmals weitaus schwieriger. Weil jedoch nicht Shinzo Abe und Wladimir Putin an dem Tisch sitzen, sondern Jonas Wagenfeldt (17) und Michel Pan (19) für Japan sowie Tatiana Olemskaia und Mara Schneider für Russland verhandeln, ist schnell alles in trockenen Tüchern. Alle sind Schüler des Schengen Lyzeum im saarländischen Perl und nehmen mit 91 Altersgenossen von fünf verschiedenen Schulen aus Trier und Konz an einer Simulation zur UN-Klimakonferenz teil.
"Wir haben Jugendliche erstmalig in dieser Form zusammengebracht. Ziel ist es, das Thema Klimawandel auf neue Art ins Bewusstsein zu rücken", sagt Organisator Ludwig Kuhn von der Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier. Hintergrund ist der ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit, bei dem Christen ein Zeichen der globalen Verantwortung für die Natur und das Klima setzen und der in den vergangenen Wochen zum Tagungsort Paris geführt hat.
"Klimaschutz ist eine wichtige Sache", sagt Felix Lentes (18) vom Gymnasium Konz. Er vertritt bei der Simulation, angeleitet durch das interdisziplinäre Seminar Trimun an der Universität Trier, das Land Südafrika. "Wir wollen für die nächste Generation eine sichere und zukunftsorientierte Umwelt hinterlassen", ergänzt der Schüler selbstbewusst. Auch fordert er von den reicheren Ländern eine finanzielle Unterstützung.
Ebenso sieht es Mexiko, das von Pascal Yaramis (17), Kai Werel (15) und Tim Heib (16) vom Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasium vertreten wird: "Sonst werden unsere Armen noch ärmer." Und so diskutieren sie, wägen Argumente ab, nähern sich mit den Vertretern der anderen gespielten 28 Nationen einem Beschluss, der auf Antrag einen Fonds für Entwicklungsländer vorsieht, der den Ausbau und die Forschung zum Klimaschutz unterstützen soll.
Einigung auf Fonds


Ein nicht ganz unrealistischer Ansatz, haben sich doch bereits vor dem Klimagipfel die Staats- und Regierungschefs der 53 Commonwealth-Staaten auf einen eine Milliarde Dollar (940 Millionen Euro) schweren Fonds geeinigt. Ziel des gesamten Weltklimagipfels ist am Ende ein verbindlicher Vertrag, um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu drosseln und die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen (siehe Bericht links). "Ich hätte nicht gedacht, dass Politik so spannend sein kann", sagt Tim Heib. Das bestätigen auch Theresa Sebastiani (17) und Svenja Rolinger (16) vom Trierer Angela-Merici-Gymnasium. Sie vertreten die USA. "Wir verstehen nun, in welcher Lage sich die Länder befinden", sagen sie. Einerseits gebe es den Klimawandel als globales Thema, andererseits habe jedes Land eigene Interessen. "Man muss für seine Anliegen Stellung beziehen", sagen sie.
Etwas, das Kuhn gutheißt: "Die Schüler lernen in der Simulation nicht nur die Perspektive der einzelnen Länder, sie lernen auch, wie mühselig das Verhandlungsgeschäft ist und wie stark Eigeninteressen wirken können."
In der Schlussabstimmung unterliegen die USA - zumindest in der Trierer UN-Simulation. Denn in ihrer Resolution wird das Verbot von Fracking gefordert, ein mit zahlreichen Gefahren für die Umwelt verbundenes Verfahren zur Gewinnung von Erdgas. Umso mehr freuen sich Sabrina Holzwarth (18) und Anna Polzer (17) vom Max-Planck-Gymnasium Trier, die den vom Klimawandel besonders betroffenen Inselstaat Vanuatu vertreten. "Wir fanden die Verhandlungen sehr bereichernd. Und: Wir werden nun mit Spannung und anderen Augen nach Paris blicken, um zu sehen, was bei den echten Verhandlungen als Ergebnis herauskommt."