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Wenn es in Cattenom zur Katastrophe kommt ...

Wenn es in Cattenom zur Katastrophe kommt ...

Die Region probt den Ernstfall im Kernkraftwerk Cattenom: Am Mittwoch und Donnerstag findet eine grenzüberschreitende Katastrophenschutzübung statt. Es ist die erste von insgesamt dreien bis Anfang nächsten Jahres.

Trier. Störfall im Kernkraftwerk Cattenom: Aus einem Reaktorblock tritt radioaktives Kühlwasser aus, die Strahlung verbreitet sich. Was zunächst klingt, wie ein "üblicher" Zwischenfall ist Grundlage einer grenzüberschreitenden Katastrophenschutzübung, die morgen beginnt. Die Öffentlichkeit wird davon allerdings kaum etwas mitbekommen. Denn es ist eine reine Stabsübung. Es wird keine simulierten Einsatzfahrten etwa von Feuerwehrwagen geben. Katastrophenschutzstäbe von Lothringen, Luxemburg, dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Belgien werden an zwei Tagen üben, wie sie im Falle einer solchen Lage miteinander kommunizieren.
Schwierigkeiten könnte es aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeiten für den Katastrophenschutz in den beteiligten Ländern geben. In Frankreich und Belgien sind es die Regionalverwaltungen von Lothringen und Wallonien, in Luxemburg ist das Innenministerium bis hin zur Armee beteiligt. Im Saarland, das federführend für die Übung ist, läuft alles über das Innenministerium.
Nicht beteiligt ist der unmittelbar an Cattenom angrenzende Kreis Merzig-Wadern. In Rheinland-Pfalz nimmt die für den landesweiten Katastrophenschutz zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, das Innen- und das Energieministerium sowie die Kreisverwaltung Trier-Saarburg an der Übung teil. Ein Teil der Verbandsgemeinde Saarburg liegt in der 25-Kilometer-Gefahrenzone, in der im Ernstfall möglicherweise Häuser evakuiert werden.
Um eventuell auftauchenden Sprachschwierigkeiten zu begegnen, habe man alle Mitarbeiter des Hauses, die Französisch können, für die Übung aktiviert, sagt ADD-Präsidentin Dagmar Barzen. Im dortigen Lagezentrum im Erdgeschoss des Kurfürstlichen Palais in Trier werden im Ernstfall die Hilfsmaßnahmen organisiert und die zuständigen Behörden und Einsatzkräfte alarmiert.
Hier würde im Falle eines Störfalles, bei dem Radioaktivität aus dem Kernkraftwerk austritt, auch eine Meldeformular des lothringischen Lagezentrums aus der Präfektur in Metz eintreffen, mit dem die deutschen Kollegen informiert würden.
Man vertraue darauf, dass die Behörden in Frankreich die Lage realistisch einschätzen und rechtzeitig informierten, sagt die rheinland-pfälzische Energieministerin Eveline Lemke. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Behörden im Land oft verspätet über Zwischenfälle in Cattenom informiert worden sind, und dass sich die Gefahreneinschätzung, was die Zwischenfälle angeht, in Frankreich von der hiesigen unterscheidet. Lemke warnt vor Misstrauen gegenüber Frankreich, sagt aber auch: "Eine Katastrophenschutzübung macht ein Atomkraftwerk nicht sicherer, ist aber unabdingbar. Unser Ziel ist die Abschaltung des Atomkraftwerks Cattenom."
Die Übung habe, laut Lemke, eine politische Bedeutung. Man wolle der Bevölkerung zeigen, dass man ihre Ängste bezüglich Cattenom ernst nehme und dass die Region im Ernstfall zusammenrücke. Nach Ende der auf drei Teile (der zweite Teil findet im Herbst, der dritte Anfang 2013 statt) angelegten Übung werde es eine kritische Analyse geben, in der alle Schwachpunkte offengelegt würden, sagt sie.
"Ich gehe davon aus, dass wir eine Reihe von Defiziten aufdecken werden", vermutet der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz. Jedenfalls soll die Übung unter realistischen Bedingungen ablaufen. Daher hat Schartz auch nicht den lange geplanten Betriebsausflug seiner Verwaltung am Donnerstag abgesagt. Auch im Ernstfall müsse man davon ausgehen, dass die Verwaltung nicht vollständig besetzt sei, meint Schartz.