Wenn Europa für jeden greifbar wird

Wenn Europa für jeden greifbar wird

Auf Augenhöhe mit einem Diplomaten. Diese Gelegenheit bietet sich selten. Was Heinrich Kreft, deutscher Botschafter in Luxemburg, mit zu den TV-Lesern gebracht hat, war vor allem eines: Expertenwissen aus erster Hand und ein Plädoyer für die europäische Idee.

Deutsche Außenpolitik - ein Thema, bei dem einige die Tagesschau abschalten und für das viele erst recht nicht aus dem Haus gehen würden. Wird sie allerdings auf Augenhöhe präsentiert, und dürfen die Zuhörer dabei sogar hinter die Kulissen der Diplomatie blicken, zeigt sich, wie spannend und persönlich deutsche Außenpolitik doch sein kann.

Heinrich Kreft, Botschafter der Bundespublik Deutschland in Luxemburg, macht es gut 50 Lesern des Trierischen Volksfreunds sehr leicht. In der Reihe "Außenpolitik live - Diplomaten im Dialog" des Auswärtigen Amtes ist er zum Dialog mit den Bürgern ins Medienhaus des TV gekommen, um Verständnis und Interesse für das oft so sperrige Thema zu wecken.

Kreft berichtet davon, wie nah die Wege in seiner Arbeit im Großherzogtum zwischen ihm und den Politikern sind. So hat er Handynummern von Luxemburger Ministern, "die ich noch nie benutzt habe, die ich aber auch nicht brauche, weil wir uns so häufig sehen", sagt er. Mit seinem eigenen, deutschen Außenminister habe er bislang erst eine Viertelstunde auf der Fahrt zum Flughafen reden können.

"Gemeinsam in Europa - Ein Blick aus Luxemburg" heißt Krefts Motto, und so hält der Botschafter stets die Sichtweise unserer Nachbarn auf Dinge wie Brexit, Europäische Union, Nettozahler, Wirtschaftswachstum oder auch die Großregion wach. "Luxemburg ist das einzige Volk, das den Aachener Karlspreis für seine Verdienste um Europa und die europäische Einigung erhalten hat", erwähnt er - und würdigt die Offenheit der Luxemburger. Gleichzeitig macht der Diplomat den Lesern klar, wie sehr das kleine Großherzogtum auch im von hier weit entfernten Berlin wahrgenommen werde.

Die Leser ihrerseits haben unter der Moderation von TV-Chefredakteur Thomas Roth die Gelegenheit, aktiv ins Geschehen einzugreifen. Mit roten und grünen Abstimmkarten können sie zeigen, wie wichtig für sie ganz persönlich Europa ist. Sie sprechen sich unter anderem für mehr Französischunterricht bereits in den Grundschulen aus und wollen von Heinrich Kreft wissen, was er konkret für die Region Trier in Luxemburg erreichen kann.

So will etwa TV-Leser Heinz Schwind aus Trier wissen, "wie man die regionale Wirtschaft noch besser mit der luxemburgischen verzahnen kann", und plädiert "für mehr grenzüberschreitende Koordination". TV-Leser Philipp Hau aus Trier will wissen, "was wir von Luxemburg lernen können".

Heinrich Kreft geht auf jede Frage ein. Er will sich etwa verstärkt für eine grenzüberschreitende Ausbildung einsetzen. Mit Blick auf die Grenzsicherung in der EU und nationalistische Tendenzen in Europa sagt Kreft: "Wir sind in der EU eine Wertegemeinschaft und wollen es auch bleiben. In Luxemburg weiß jeder, dass eine Volkswirtschaft ausländische Arbeitskräfte braucht. Auch Deutschland braucht sie." Allerdings gehe Luxemburg sehr viel offener mit Migration um, obwohl 47 Prozent der Bevölkerung keine Luxemburger Staatsbürger seien. "Ich möchte mir den Aufschrei gar nicht vorstellen, wenn ich das auf Deutschland übertrage", sagt der Botschafter.

Kreft stellt sich auch offen der Kritik, etwa dass die Politik die Vision der Europäischen Union stärker betonen und die Bürger mit auf den Weg durch die manchmal mühsame Kompromissfindung mit den Mitgliedsstaaten nehmen müsse, wie einige Leser meinen.

Ob er nun Luxemburgs Wirtschaftsperspektiven einschätzt, die Türkeipolitik Deutschlands und Luxemburgs kommentiert ("vieles, was wir von Erdogan gehört haben, ist völlig inakzepabel") oder die Notwendigkeit zu einem Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten betont ("ich höre immer häufiger aus Luxemburg, dass man sich den Fortschritt der EU nicht von einigen wenigen blockieren lassen will") - Kreft zeigt viel Hintergrundwissen und Einsatz.
Die TV-Leser danken es ihm: Einstimmig bewerten alle den Diplomatenbesuch im Medienhaus mit ihrer grünen Postkarte als positiv.Extra: DAS SAGEN DIE LESER ÜBER DAS GESPRÄCH:

Das Auswärtige Amt hat sich zum Ziel gemacht, offensiv gegen eine Europa-Skepsis anzugehen und den Kontakt mit den Bürgern etwa über regionale Tageszeitungen wie den Trierischen Volksfreund zu suchen. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Botschafter Heinrich Kreft geht auf jede Frage der TV-Leser ein. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Gerhard Bürens, Wittlich: Der Botschafter hat aus eigener Erfahrung gesprochen und nicht aus zweiter Hand. Er war auch kenntnisreich, was die Region Trier betrifft. Ich habe einen sehr guten Eindruck. Die Veranstaltung hat mehr gehalten als ich erwartet hatte.
Philipp Hau, Trier: Ich nehme von dem Abend mit dem Botschafter wieder ein größeres Bewusstsein für die Großregion und die deutsch-luxemburgische Zusammenarbeit mit. Luxemburg ist ein starker Partner für Deutschland, den wir pflegen müssen.
Magdalena Norta, Trier: Der deutsche Botschafter hat mir noch mal eine ganz andere Perspektive eröffnet und eine neue Sicht auf Europa gewährt.
Elfriede Mommenthal-Aymaanns, Trier: Der Botschafter hat einige Interna aus Luxemburger Perspektive erzählt, die ich sehr interessant fand und so vorher nicht kannte. TV-Umfrage und TV-Fotos (4): Sabine Schwadorf

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