Wenn nur noch Wilhelm Busch hilft

Wenn nur noch Wilhelm Busch hilft

Im Bundestag sind die Abgeordneten hin- und hergerissen - viele haben bei der Euro-Entscheidung Bauchschmerzen.

Berlin. Um 11.40 Uhr beginnt im Reichstag wie auf einem sinkenden Schiff der Alarm laut zu schrillen. Ein Weckruf ist das für die Abgeordneten, die in der Lobby noch Gespräche führen. Die entscheidende namentliche Abstimmung über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF steht an. Für viele heißt das: Augen zu und durch. Am Ende auch zum Wohl der schwarz-gelben Koalition, die die Kanzlermehrheit holt.
In der Lobby ist die Gemütslage der Parlamentarier besonders greifbar: Die einen machen aus ihrem Unwohlsein keinen Hehl, andere sind auf dem Weg zu den Fächern mit den Stimmkärtchen ganz cool. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zum Beispiel: "Nach 21 Jahren im Parlament schläft man ruhig", sagt der Minister. Selbst dann, wenn man 211 Milliarden Euro für einen Rettungsschirm auf den Weg bringt? Ein "halbes Dutzend" schwerer Beschlüsse könne er aufzählen, winkt Rams auer ab.
Nicht jeden der Parlamentarier lässt die Dimension des deutschen Anteils am Rettungsschirm kalt: "Der Kollege, der dabei keine Bauchschmerzen hat, muss noch geboren werden", glaubt FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff. Im Vorfeld sei zum Glück breit diskutiert worden.
So sieht es auch der Parlamentsgeschäftsführer der Union, Bernhard Kaster (CDU): Die meisten Abgeordneten hätten sich "intensiv wie noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt".
Wolfgang Bosbach ist von ganz anderen Sorgen geplagt. Der CDU-Fraktionsvize ist einer der Neinsager im Koalitionslager. Fragt man ihn, wie ihm zumute ist, antwortet er mit Wilhelm Busch: "Es geht der Krieger, der gerechte, mit frohem Mute zum Gefechte. Indessen ist es ihm doch lieber, wenn alles erst mal gut vorüber." has

CDU/CSU: zehn Nein-Stimmen, eine Enthaltung. FDP: drei Nein-Stimmen, eine Enthaltung. SPD: Eine Nein-Stimme, eine Enthaltung, drei Abgeordnete fehlten. Grüne: Eine Nein-Stimme. Linke: Alle 70 Abgeordneten stimmten gegen die Euro-Rettung. dpa

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