"Wer das Gesetz nicht kennt, geht leer aus"

Viele Opfer von Gewalttaten beantragen keine staatliche Unterstützung, obwohl ihnen finanzielle Hilfe zusteht. Darauf hat die Opferschutzorganisation "Weißer Ring" im Vorfeld des "Tags der Kriminalitätsopfer" am Sonntag hingewiesen.

Trier/Mainz. (sey) Mehr als 200 000 Menschen werden allein in Deutschland jedes Jahr Opfer von Gewaltkriminalität. Unter den Folgen der Taten leiden die Betroffenen oft ein Leben lang, sie tragen körperliche und seelische Schäden davon.

Was viele Opfer von Gewalttaten nicht wissen: Sie haben einen Anspruch auf staatliche Unterstützung. Grundlage ist das sogenannte Opfer-Entschädigungsgesetz (OEG).

Nur etwa elf Prozent der Betroffenen stellen einen Antrag auf staatliche Entschädigung. "Eine skandalöse Bilanz", meint Helmut K. Rüster von der bundesweit aktiven Opferschutzorgansiation "Weißer Ring". "Wer das Gesetz nicht kennt, geht leer aus."

Dabei stehen die Chancen der Antragsteller auf finanzielle Entschädigung nicht schlecht. Immerhin 36 Prozent der jährlich rund 23 000 gestellten Anträge werden anerkannt, Behandlungskosten beim Arzt oder auch Renten gezahlt. In Rheinland-Pfalz liegt die Quote sogar noch etwas darüber. Laut "Weißem Ring" wurden von den zuletzt gestellten 790 Anträgen rund 43 Prozent genehmigt. Damit hatte fast jeder zweite Antragsteller Erfolg.

Weil aber nur jedes zehnte Opfer von Gewaltkriminalität einen Antrag stellt, fordert der "Weiße Ring", der Staat müsse seine Bürger besser informieren. Deshalb sollten die Anzeigen-Formulare bei der Polizei künftig einen Hinweis auf das OEG enthalten, um Betroffene darauf hinzuweisen, dass ihnen möglicherweise eine finanzielle Entschädigung zusteht. -pf./jöl

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