Wer die Schule schwänzt, ist anfälliger

Durch Ereignisse wie vor 15 Monaten in der Münchner U-Bahn, als Teenager einen Rentner fast zu Tode prügelten, oder jetzt den Amoklauf von Winnenden hat sich der öffentliche Eindruck verfestigt, Jugendliche seien gewaltbereiter geworden. Doch das ist nicht so, wie aus einer Studie hervorgeht, die Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestern vorgestellt hat.

Berlin. Beängstigend laut Minister Schäuble: Immer mehr Jugendliche driften ins rechte Lager ab. Befragt wurden 2007 und 2008 insgesamt 44 610 Schüler aus 61 Landkreisen. Fragen und Antworten zum Thema:

Welches Ausmaß nimmt der Rechtsextremismus an?

Minister Schäuble sagte, er sei angesichts der Zahlen "erschrocken". Laut Studie halten knapp 40 Prozent der Jugendlichen Ausländer für kriminell. 14,4 Prozent stufen sich als "sehr ausländerfeindlich" ein, darunter 19 Prozent der Jungen und 9,6 Prozent der Mädchen. Die höchste Quote von Jugendlichen in rechtsextremen Gruppen gibt es mit bis zu zwölf Prozent im Osten. Am niedrigsten ist die Ausländerfeindlichkeit in den Großstädten, wo die meisten Einwanderer leben. Schäuble will nun die Prävention verstärken.

Wie hat sich die Jugendgewalt insgesamt entwickelt?

Rückläufig. Die Quote der Jugendlichen, die nach eigenen Angaben innerhalb eines Jahres mindestens eine Gewalttat begangen haben, lag in den Regionen diesmal zwischen 11,5 und 18,1 Prozent. Vor einem Jahrzehnt waren es zwischen 17,3 und 24,9 Prozent. Berichte über einen drastischen Anstieg würden also von den neuen Ergebnissen nicht gestützt, betonte Pfeiffer. So sei etwa die Zahl meldepflichtiger "Rauf-Unfälle" mit Arzt-Einsatz zwischen 1997 und 2007 um 31,3 Prozent gesunken. Die am häufigsten begangenen Delikte waren Vandalismus, Ladendiebstähle, Körperverletzungen und der Verkauf von Raubkopien.

Worin liegen die Ursachen für den Rückgang?

Laut Studie ist die Gewalt in den Familien gesunken und somit kein starker Auslöser mehr. In den Schulen herrscht nach Angaben Pfeiffers zudem eine neue "Kultur des Hinschauens", es gebe eine höhere Bereitschaft, bei der Polizei Anzeige zu erstatten, was Gewalttäter abschrecke. Außerdem habe auch die Akzeptanz von Gewalt unter den Schülern messbar abgenommen.

Was lässt Jugendliche gewalttätig werden?

"Killerspiele", über die nun wieder diskutiert wird, sind zwar ein "Belastungsfaktor" für die Gewaltbereitschaft, aber nicht entscheidend. Am meisten Einfluss haben demnach Faktoren wie gewalttätige Eltern, Alkohol- und Drogenkonsum, "Macho-Normen" sowie gewaltbereite, "delinquente Freunde". Wer die Schule schwänzt, ist in der Expertise zu lesen, hat überdies ein höheres Risiko, auch andere Delikte zu begehen.

Spielt der Migrationshintergrund eine Rolle?

Laut Studie ja. Jugendliche mit Migrationshintergrund begehen häufiger Gewalttaten.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort