Wer kann Mitt Romney stoppen?

Zwei Tage vor der wichtigen Republikaner-Vorwahl im US-Staat New Hampshire haben sich die Kandidaten auf den Favoriten Mitt Romney eingeschossen. Der Millionär und Mormone hat bisher von der Vielzahl an Mitbewerbern, die sich gegenseitig Prozente bei den Wählern streitig machen profitiert.

Washington/Manchester. Mitt Romney lächelt. Fast zwei Stunden lang, die ganze Fernseh-Livedebatte auf der Bühne des St. Anselm-College in Manchester (US-Bundesstaat New Hampshire). Es ist ein konstantes, gelegentlich arrogant wirkendes Lächeln, das präsidial wirken und den anderen fünf Kandidaten sagen soll: Ich fühle mich überlegen, ihr könnt mir doch nichts anhaben.
"Kreuzfahrt in Richtung Sieg"



Damit dürfte er wohl recht behalten. Die Umfragen im Bundesstaat New Hampshire, wo am morgigen Dienstag die Wähler das Wort haben, zeigen Romney bei rund 40 Prozent. Holt ihn nicht noch ein monumentaler Skandal ein, ist dem früheren Gouverneur des Nachbarstaates Massachusetts auch die zweite Runde im Vorwahl-Marathon der US-Republikaner nicht mehr zu nehmen.
"Eine Kreuzfahrt in Richtung Sieg", urteilte dazu gestern die Washington Post. Profitiert hat der Millionär und Mormone jedenfalls bisher von der Vielzahl an Mitbewerbern, die sich gegenseitig Prozente bei den Wählern streitig machen. Schon in South Carolina am 21. Januar und dann Ende diesen Monats in Florida könnte Romneys Vorsprung so groß sein, dass bei den übrigen Kandidaten Resignation um sich greift und - noch wichtiger - der Spendenfluss der Unterstützer versiegt, weil diese nicht mehr an einen Erfolg glauben. Und weil sich die Romney-Mitstreiter mit immer kleineren Hemmungen gegenseitig an die Gurgel gehen: Newt Gingrich gegen Ron Paul, dem er eine "lange Geschichte von Lügen" vorwirft. Paul gegen den eher konservativen Rick Santorum, den zweiten Sieger von Iowa, der plötzlich vom Medieninteresse profitiert und der dem als liberalkonservativ geltenden Mitt Romney nach Ansicht der US-Medien, die die Spannung im Wettberwerb gerne noch ein bisschen aufrecht erhalten würden, noch einige Vorwahlrunden lang Paroli bieten könnte.
Anhänger von Ron Paul polemisieren zudem gegen den früheren US-Botschafter John Huntsman, der in Iowa nicht antrat und für den es in New Hampshire nun ums nackte Überleben geht - und den Teile der Paul-Truppen in einem Schmutz-Video als von China gekauften Politiker verhöhnen.
Und schließlich ist da noch der texanische Gouverneur Rick Perry, der keine Gegner braucht und sich selbst demontiert: Weil er im kriegsmüden Land plötzlich und ziemlich unerwartet die Auffassung vertritt, man solle doch die US-Truppen wieder in den Irak schicken, um dort den Einfluss des Iran zu reduzieren.
Diese oft schrillen Töne im Konzert der konservativen Sechser-Riege tragen maßgeblich dazu bei, dass sich "Frontrunner" Romney ganz auf seinen roten Faden konzentrieren kann: Vor allem Attacken gegen Präsident Barack Obama zu fahren. Auch im St. Anselm-College fällt wieder der Standardsatz, der in keiner seiner Reden fehlt und einen Seitenhieb auf die schwelende Euro-Krise enthält: "Obama will ein europäisches Wohlfahrts-System einführen, aber Europa funktioniert ja noch nicht einmal in Europa." Mit Widerspruch muss er weder im Publikum noch auf der Bühne rechnen. Und wenn sich seine Mitstreiter einmal an direkter Kritik vrsuchen, so fällt die meist ziemlich lauwarm aus. "Der Oberbefehlshaber dieses Landes ist kein Geschäftsführer," stellt der frühere Senator und Karriere-Politiker Rick Santorum mit Blick auf den erfolgreichen Unternehmer Romney fest. Und unterschätzt dabei, dass der Verdruss der Wähler - ob demokratisch oder in Richtung Republikaner orientiert - sich ganz auf die politische Kaste in Washington und vor allem die Mitglieder des Kongresses bezieht. So zeigt sich einmal mehr am Wochenende: Mitt Romney ist derzeit nicht zu fassen.
Und selbst das US-Magazin Time, das kürzlich auf der Frontseite die Frage stellte, warum die Basis Romney kaum möge, hat sich mittlerweile revidiert: "Mögt ihr mich jetzt?", lässt Time ihn, wieder auf dem Titel, fragen. Und der lächelt - natürlich.Extra

Der 64-Jährige hat sich nicht nur als Politiker und Gouverneur von Massachusetts profiliert. Er machte auch in der Privatwirtschaft Karriere und schuf sich ein beträchtliches. Er hat das Image des "Flip-Floppers", des Wendehalses, der keine wirkliche eigene Position hat. Ein Beispiel: Noch in Massachusetts, wo er von 2003 bis 2007 regierte, setzte sich Romney für eine Gesundheitsreform ein, die in weiten Teilen der späteren Reform Obamas ähnelt. Doch heute ist Romney einer der Republikaner, die "Obamacare" am schärfsten kritisieren. dpa