"Wer nicht mogelt, verdient Mitleid"

Niemand zahlt gern Steuern. Diese Ansicht ist zwar weit verbreitet, aber nicht unbedingt richtig. Der Bund der Steuerzahler wollte es genau wissen und gab deshalb eine repräsentative Umfrage in Auftrag. Überraschendes Ergebnis: Fast zwei Drittel der Bundesbürger finden, dass der Staat ein Anrecht auf hohe Steuereinnahmen hat, um seine Aufgaben zu erfüllen.

Berlin. (vet) Leut der Umfrage befürworten 74 Prozent die Unterstützung von Armen und Benachteiligten mit ihrem Steuergeld.

Die Kehrseite der Medaille: Neun von zehn Befragten glauben nicht, dass der Staat diesen hehren Anspruch erfüllt. De facto, sagen die meisten, benachteilige das Steuersystem die Armen und begünstige die Reichen.

Diese ambivalente Haltung ist offenbar auch der Schlüssel für die harsche Kritik an der geltenden Besteuerungspraxis. Gerade einmal 18 Prozent bewerten sie als gerecht.

Die Meinung, dass in Deutschland diejenigen steuerlich begünstigt werden, die am besten mit dem Steuerrecht vertraut sind, unterschreiben 92 Prozent der Bundesbürger. Genauso viele finden, dass der Staat mit den Steuereinnahmen zu verschwenderisch umgeht. Nach Ansicht des Chefs des Steuerzahlerbundes in Nordrhein-Westfalen, Gerhard Lampen, lässt sich diese "gefühlte Einstellung" nur durch ein grundlegende Reform korrigieren. "Wir brauchen dringend ein einfaches und verständliches Steuerrecht. Denn wenn es die Bürger nicht verstehen, dann führt das auch zum Widerstand", sagt Lampen.

Je negativer das Steuersystem beurteilt wird, desto schmerzlicher wird die Steuerbelastung empfunden. Immerhin 82 Prozent der Deutschen finden, sie zahlten zuviel Steuern.

Bei der Steuermoral ergibt sich nach der Umfrage ein gemischtes Bild: Einerseits denken drei von vier Bundesbürgern, man müsse bei der Steuererklärung exakt sein. Zwei Drittel halten Steuerhinterziehung generell für unvertretbar. Andererseits zeigt fast die Hälfte der Bevölkerung Verständnis für Steuersünder, weil die Steuergesetze ungerecht seien. 38 Prozent stimmen sogar der Meinung zu, wer bei der Steuer nicht mogle, der verdiene nur Mitleid.

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