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Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde

Angela Merkel soll die deutschen Interessen gegenüber den USA und Großbritannien in der Abhör-Affäre deutlicher vertreten: Das fordern im neuen ARD-Deutschlandtrend 78 Prozent der Befragten. Die Kanzlerin hat mit dem US-Präsidenten telefoniert, lehnt weitere Konsequenzen aber ab.

Trier. Laut einer Infratest-dimap-Umfrage im Auftrag der ARD-Tagesthemen halten derzeit nur 49 Prozent der Deutschen die USA für einen vertrauenswürdigen Partner - ein Tiefststand seit den Tagen von George W. Bush. Zwei Drittel der Befragten glauben freilich, der deutsche Staat habe nicht die Macht, seine Bürger vor den US-Ausspähern zu schützen.
Bei allem Ärger über das Gebaren der Amerikaner im konkreten Fall: 55 Prozent sind der Meinung, dass man zur Verhinderung drohender Terrorakte damit leben müsse, dass Geheimdienste großflächig Daten sammeln. Auch die Sympathie mit dem Aufklärer Edward Snowden hält sich in Grenzen: 58 Prozent sind dagegen, ihm politisches Asyl in Deutschland anzubieten.
Das Vertrauen der Deutschen in die Sicherheit von Internet und Telefon war bislang groß: Mehr als 60 Prozent sind überrascht vom Ausmaß der Späh-Tätigkeit, zumal gegen die Bürger eines verbündeten Landes.
Fachleute wie der Trierer Informatik-Professor Konstantin Knorr rechnen damit, dass der NSA-Skandal für einen Wandel sorgt. Bislang fehle einem Großteil der Bevölkerung "das technische Verständnis" für die neuen Medien und damit das Datenschutz-Bewusstsein, vermutet der IT-Sicherheitsexperte von der HS Trier. Knorrs Botschaft: "Man kann sich schützen, zum Beispiel durch Verschlüsselung". Aber dafür müsse bei Bürgern und Wirtschaft die Bereitschaft vorhanden sein, sich stärker um die Datensicherung zu kümmern.
Auswirkungen auf die Sonntagsfrage scheint der Skandal nicht zu haben: Die CDU und Angela Merkel bauen ihren Vorsprung gegenüber der SPD und Peer Steinbrück leicht aus. DiL